Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Thomas Brückner. "Ich weiß nicht, welchen Platz ich unter den vierundzwanzig Kindern meines Vaters und seiner vier Frauen vom Alter her einnahm, aber ich war das fünfte Kind im Haus meiner Mutter." Ngugi wa Thiong'os liebevolle Mutter Wanjiku ist es, die nach dem Zerwürfnis mit dem Vater dem Heranwachsenden Schutz und Geborgenheit bietet und den Boden für seine Träume bereitet. Indem sie ihm den Besuch einer Schule ermöglicht und er ihr im Gegenzug verspricht, sein Bestes zu tun und sie nicht zu enttäuschen, schließen die beiden einen Pakt, der von nun an das Leben des Jungen bestimmt. Geboren im ländlichen Limuru-Distrikt in Zentralkenia, wächst Ngugi im Schatten des Zweiten Weltkriegs auf, unter britischer Kolonialherrschaft und der entstehenden Mau-Mau-Befreiungsbewegung, der sich auch sein Bruder "Good Wallace" anschließt. Vor diesem Hintergrund erzählt Ngugi wa Thiong'o von seiner Kindheit, von einem einfachen, harten und entbehrungsreichen Leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2011
Stark von den politischen Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit Kenias sieht Angela Schader die Kindheitserinnerungen des kenianischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong'o geprägt. Der Autor saß wegen eines unliebsamen Theaterstücks in seiner Muttersprache Kikuyu im Gefängnis und ging 1982 ins Exil, heute lehrt er an der University of California Literaturwissenschaften, informiert die Rezensentin. Detailliert rekapituliert sie Ngugis Kindheitserfahrungen in einem Land, das unter der repressiven britischen Kolonialmacht litt und im Unabhängigkeitskampf zerrissen wurde. Mancher Leser wird vielleicht von der Konzentration aufs Politische enttäuscht sein, und es fällt nicht immer leicht, den überbordenden Optimismus, mit dem der junge Ngugi auf den Befreiungskampf blickt, zu ertragen, wie die Rezensentin einräumt. Aber Schader betont, dass dies nicht an Ngugis Mangel an "Kritikfähigkeit" liegt, sondern wohl vor allem dem jugendlichen Blick geschuldet ist, der die Perspektive auf die Ereignisse bestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2010
Ngugi wa Thiong'o trat in diesem Jahr als potenzieller Literatur-Nobelpreisträger in Erscheinung, weiß Tobias Döring, der im gerade erschienenen Erinnerungsband des kenianischen Autors allerdings dafür keine guten Argumente erkennen kann. "Kämpferisch" engagierte sich Thiong'o für die Unabhängigkeit Kenias und wende sich zunehmend gegen jegliche "koloniale Einflussnahme", was auch die Ablehnung der englischen Sprache für sein Schreiben beinhaltet, erklärt der Rezensent. Was man als politisches Engagement würdigen kann, schlägt sich allerdings literarisch für den Rezensenten weniger positiv nieder, den die sich dem "lokalen Arbeiter- und Bauernstand" verbunden fühlende, bemüht einfache Sprache, die vorhersehbaren Handlungsstränge und die "holzschnittartige" Figurenzeichnung nicht überzeugen.
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