Wir haben eine neue Phase in öffentlichen Auseinandersetzungen über die gesellschaftliche Rolle der Wissenschaft erreicht. Die kontroverse Diskussion um embryonale Stammzellen, Neurogenetik, Xenotransplantationen oder reproduktives Klonen macht beispielsweise deutlich, dass die Frage nach den sozialen Voraussetzungen und Folgen ungebremst expandierender (natur-) wissenschaftlicher Erkenntnisse zur dringlichen Problematik der gesellschaftlichen Tagesordnung und des politischen Alltags wird. Die gegenwärtige Diskussion über die Rolle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse mündet nicht selten in den Ruf nach einer Überwachung des Wissens. Es entsteht ein neues Politikfeld: die Wissenspolitik
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.10.2003
In seinem Essay zur "Wissenspolitik" fasst Nico Stehr eine Vielzahl "von äußerst wichtigen Fragen zur Umsetzung" neuerer Technologien zusammen, gesteht Jakob Vogel nur leider schreibe Stehr zum einen "nicht frei von soziologischem Jargon" und auch nicht "in allen Punkten stringent". Besonders die Einsicht, dass "divergierende Wissenskulturen" variable "praktische Lösungen zur Kontrolle und Beschränkung" der neuen Technologien verlangen, hat der Rezensent bei der Lektüre vermisst. Doch findet Vogel auch noch lobende Worte: So sei das Buch nichtsdestotrotz "außerordentlich anregend" und gebe "wichtige Anstöße" zum Umgang unserer Gesellschaft mit neuen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2003
Wissen ist Macht, und deshalb gibt es auch so etwas wie "Wissenspolitik" - die Kontrolle des Umgangs mit Erkenntnissen. Das sagt der Wissenssoziologe Nico Stehr, und Martin Bauer gibt ihm Recht darin, dass mit dieser Prämisse die drängenden Fragen überhaupt erst aufkommen. Denn in den "postindustriellen Wissensgesellschaften" sei ja ein "hochriskantes Experiment" im Gange: neue Erkenntnisse beispielsweise aus der Biotechnologie, generiert von einem "global operierenden wissenschaftlich-industriellen Komplex" bestimmten unsere Zukunft, und zwar relativ unabhängig von politischen Steuerungen. Man könne deshalb nicht viel mehr als hoffen, dass es gut ausgeht - dass sozusagen das Wissen mit dem Wissen Schritt hält. Das alles scheint Stehr sehr kompetent zu diskutieren, jedenfalls findet der Rezensent nichts zu bemängeln außer einer gewissen Redundanz der Darstellung.
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