Die Islamische Gemeinde Milli Görüs gehört zu den umstrittensten Organisationen türkischer Einwanderer in Deutschland. Gestützt auf mehrjährige Feldforschung, zeichnet Werner Schiffauer ein Bild von der Entwicklung dieser Gemeinde. Im Zentrum steht der Versuch einer zweiten Generation, sich mit dem islamistischen Erbe der Gründergeneration auseinanderzusetzen und die Rolle von Islam und Politik in der Bundesrepublik neu zu bestimmen. Die "post-islamistische" Suche dieser Generation stellt eine der faszinierendsten Bewegungen im neuesten deutschen und europäischen Islam dar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2010
Werner Schiffauers Untersuchung zur "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs" klopft Stefan Luft auf ihre zentrale These ab, derzufolge es sich bei der IGMG um eine postislamistisch orientierte Gruppierung im wesentlichen junger deutsch-türkischer Bildungsbürger handelt, die sich mit ihrem Leben im Westen arrangieren wollen, und dies ohne Revolution und Mystik. Dass Schiffauer damit gegen die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes und gegen allgemeine Vorurteile antritt, nimmt der Rezensent zur Kenntnis. Schiffauers Analysen zur Konfrontation einer Einwandererreligion mit einer Aufnahmegesellschaft, die Religiöses misstrauisch beäugt, findet er spannend. Sämtliche Bewertungen des Autors möchte er aber nicht teilen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2010
Nein, nicht jede Schlussfolgerung des streitbaren Autors ist Susanne Schröter bereit zu teilen. Muss sie auch nicht. Daran, dass Werner Schiffauers historisch-analytische Monografie über die islamische Gemeinschaft Milli Görüs dem Leser Erkenntnisse über islamische Realitäten bietet, die dazu geeignet sind, Vorurteile und erhärtete Fronten aufzulösen, zweifelt sie indes nicht. Auch auf Schiffauers solide ethnologische Methodik lässt die Rezensentin nichts kommen. Schließlich führt die langjährige teilnehmende Beobachtung den Autor zu für die Integrationsdebatte höchst relevanten Ergebnissen (verschiedene Gemeindemilieus betreffend oder die Geschlechterfrage), die ihm und dem Leser auf anderem Weg schlicht nicht erreichbar gewesen wären, wie Schröter erklärt.
Streng geht Rezensent Eberhard Seidel mit Werner Schiffauers Buch über die islamistische Bewegung Milli Görüs ins Gericht. Er widerspricht Schiffauers These, die umstrittene Organisation sei längst nicht mehr islamistisch, sondern "postislamistisch" und in der Demokratie angekommen. Dass einzelne Milli-Görüs-Funktionäre sympathische und wortgewandte Zeitgenossen sind, macht für ihn Schiffauers Thesen über Reformierung und Modernisierung der Bewegung insgesamt nicht wahrer. Er ärgert sich mitunter über die Ausführungen des Autors, die ihm vorkommen wie "schwärmerische Auslassungen". Insbesondere weist der Rezensent kritisch auf die eher schmale empirische Basis hin, auf der Schiffbauers Thesen beruhen. Der Einfluss der Reformer bei Milli Görüs scheint Seidel sehr gering, ein Umstand, den auch Schiffbauer am Ende "kleinlaut" einräumen müsse, für den er aber die Mehrheitsgesellschaft verantwortlich mache.
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