Nicolas Mathieu

Jede Sekunde

Cover: Jede Sekunde
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446281752
Gebunden, 96 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von André Hansen und Lena Müller. Ein Mann und eine Frau, nicht mehr ganz jung, angekratzt von den zermürbenden Routinen des Alltags - Arbeit, Familie, etwas Urlaub, so könnte das Leben dahingehen. Doch sie begegnen einander und Liebe erfasst sie mit der Kraft einer Naturgewalt. Sie sind zu überrascht, zu hungrig, um auch nur einen Moment zu zögern, und ab jetzt zählt jede Sekunde, in der sie zusammen sein können. Mit rückhaltloser Intensität schreibt Nicolas Mathieu die Chronik einer Leidenschaft, die alles andere in den Hintergrund drängt, und findet eine Sprache für das Begehren, das Glück der gestohlenen Stunden im Hotel, die Qual der Abwesenheit, die Eifersucht auf die "anderen" im Leben der Geliebten und schließlich den Schmerz der Trennung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2025

Rezensentin Barbara von Machui schwärmt in den höchsten Tönen von Nicolas Mathieus neuem Roman, der ihr von der Affäre erzählt, die der französische Autor mit Monacos Fürstentochter Charlotte Casiraghi einging. Die Beziehung galt nicht nur als Skandal, weil Charlotte verheiratet war, sondern auch weil Fans dem Autor, der wie Edouard Louis mit seinen autofiktionalen Romanen als "Klassenflüchtling" bekannt und beliebt wurde, Verrat vorwarfen, weiß die Rezensentin. Im Roman nun hat er der schmerzlich beendeten Beziehung ein "Mausoleum der Liebe" errichtet, in brillanten "Mikrofiktionen" und in "Schätze verwandelten Banalitäten", schwärmt die Kritikerin. Ganz gleich, ob ihr der Autor von Liebe in Hotelzimmern oder einem Leben "außerhalb des weißen Kreises", der ihr Land war, erzählt - stets ist die Kritikerin hingerissen von den sogkräftigen Sätzen und "kameenhaft" gezeichneten Figuren. Allerdings rät sie, lieber zur mit herrlichen Illustrationen versehenen französischen Originalausgabe zu greifen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.04.2025

Rezensent Christoph Vormweg vermag nicht zu sagen, wieviel Autobiografisches im neuen Roman von Nicolas Mathieu steckt. So viel ist aber für den Kritiker sicher: Der studierte Soziologe legt erneut ein sehr lesenswertes Buch vor, das diesmal aber zumindest autofiktionaler scheint. Erzählt wird die Geschichte eines Aufsteigers, inzwischen Schriftsteller jenseits der vierzig, der in der Midlife-Crisis steckt, keinen Trost in der Literatur findet und sich daher in Affäre flüchtet. Was aber macht den Text für Vormweg so besonders? Der Rezensent liest das Buch als "aufwühlendes Bekenntnis zur Untreue", bewundert dabei, wie Mathieu die "existentielle Unruhe" ausleuchtet und mit atmosphärischen Schilderungen anreichert. Und die Kunst, das Individuelle aus soziologischer Perspektive allgemeingültig erscheinen zu lassen, erinnert den Kritiker gar an Annie Ernaux.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2025

Eine "Hymne an die Liebe" singt Rezensent Rezensent Dirk Fuhrig auf das neue Buch von Nicolas Mathieu. Zur Sprache kommen sowohl der Enthusiasmus der Frischverliebtheit als auch die Routine einer in Ehe und Erwachsenenleben gezähmten Liebe. Die Frage, wie autobiografisch dieser Text ist, lässt der Autor auf geschickte Weise offen, so Fuhrig, gelegentlich mischt sich Mathieu vermittels kursiv gesetzter Passagen in seinen eigenen Text ein, unter anderem ist diesen Kommentaren zu entnehmen, dass Social-Media-Postings das Ausgangsmaterial dieses Buches waren. Der Rezensent vergleicht Mathieus Buch mit den in mancher Hinsicht ähnlichen Arbeiten Annie Ernaux', mit der der Autor auch die politisch linke Prägung teilt - Fuhrig verweist allerdings darauf, dass Mathieu im Kern kein kalter Analytiker des Sozialen ist, sondern ein immer wieder auch melancholischer Schriftsteller, der sich der Liebe verschrieben hat. Das vorliegende Buch liest Fuhrig zwar gern, stellt aber klar: der nächste große Mathieu-Roman, auf den er bereits wartet, ist dies noch nicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2025

Rezensent Rainer Moritz entdeckt in Nicolas Mathieus hier versammelten von einer Liebesaffäre mit einer verheirateten Frau handelnden Instagram-Posts durchaus Sentimentalität und Selbstmitleid. Die kurzen autobiografischen Texte sind ungeschützt und angreifbar, räumt Moritz ein. Dennoch liest er sie mit wachsender Neugier. Belohnt wird der Rezensent durch eine poetische Selbstentblößung, die Gedanken über das Unsagbare, die Moral, den Tod und enttäuschte Erwartungen in der Liebe und in der Schriftstellerei enthält. Für Moritz eine so melancholische wie eindringliche Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.03.2025

"Saftig, sinnlich" und dazu unprätentiös kommt das neue Werk von Nicolas Mathieu daher, freut sich Rezensent Tilman Krause. Keine stringente Erzählung legt der französische Autor hier vor, sondern eine lose Sammlung von "Denkbildern", Reflexionen und Episoden, in denen er das Verhältnis zu ihm nahestehenden Menschen verhandele: einer verflossenen Geliebten, dem kleinen Sohn und dem alten Vater. Am besten gefallen dem Kritiker die Passagen, in denen Mathieu die Liebe zu seinem Sohn ausdrückt: "Lass uns langsam leben, mein kleiner Kater, und deinen nächsten Geburtstag abwarten", zitiert Krause. Schön ist das, auch melancholisch und differenziert, findet der Kritiker, den das ganze an die Beschreibung eines "Blues" in der Mitte des Lebens erinnert, allerdings immer mit Blick auf das Positive, schließt Krause.

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