Nikos Panajotopoulos

Die Erfindung des Zweifels

Roman
Cover: Die Erfindung des Zweifels
Reclam Verlag, Leipzig 2002
ISBN 9783379007917
Gebunden, 184 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Griechischen von Ulf-Dieter Klemm. Der Schriftsteller James Wright befindet sich auf der Höhe seines Ruhmes, doch der amerikanische Forscher Albert Zimmerman macht all seine Zukunftspläne zunichte: Zimmerman hatte sich nach dem Scheitern seiner eigenen künstlerischen Karriere der Biologie zugewandt und für Jahrzehnte in seinem Labor verbarrikadiert. Jetzt präsentiert er auf einem internationalen Kongress die Ergebnisse seiner Untersuchungen: Er hat einen Test entwickelt, mit dessen Hilfe künstlerisches Talent genetisch nachgewiesen werden kann. Diese Entdeckung verändert die Gesetze der literarischen Welt...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2003

Ein beachtliches "Talent für Skepsis und einen feinen Humor" bescheinigt Rezensent Franz Haas dem griechischen Autor Nikos Panajotopoulos, dessen Satire auf den Literaturbetrieb ihn allerdings weniger durch geschliffenen Stil als durch brillante Ideen überzeugt hat. Wie Haas darstellt, entscheidet in Panajotopoulos' literarischer Zukunft ein DNA-Test darüber, ob ein Künstler Talent hat oder nicht, Kritik wird überflüssig. Der alternde Schriftsteller James Wright, längst in dieser Welt der "Bestätigten" und "Annullierten" unter die Räder gekommen, will es noch einmal wissen und verfasst auf dem Totenbett seine Memoiren. Die verkaufen sich zwar schließlich gut, doch ob er nun Talent hat oder nicht, weiß niemand eindeutig zu sagen. Am Ende dieses Buches der Zweifel, erklärt der Rezensent, bleibt allein die Gewissheit, "dass selbst die Zeit eine ungewisse Schiedsrichterin ist zwischen der Literatur und der Kritik, dass der Tanz aber weitergeht, mit Eleganz und Gestümper auf beiden Seiten".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.07.2002

Das ist gut: Angeregt durch diesen "utopischen Roman" versetzt sich die Rezensentin in das Jahr 2030, in dem ein Genetiker den genetischen Code des Schöpfertums knackt, und steht plötzlich ohne Arbeit da: "Die Masse der vorhandenen Kunstschaffenden würde in 'Bestätigte' und 'Annulierte' aufgeteilt ... und die Rezensenten dürften endlich ohne Scham ins affirmative Fach wechseln". Schamlos affirmativ allerdings schreibt Evelyn Finger eigentlich auch schon im Jahr 2002. Über Panajotopoulos "Parabel auf die Angst des postaufgeklärten Zeitalters vor allem Unklaren" wenigstens, die, wie Finger warnt, mittels gelehrter Anspielungen des Ideenromans und durch zynische Pointen das Unbehagen an der Gegenwart in eine Karikatur des künftigen Literaturbetriebs steigert. "Möge das Buch viele Leser finden!"

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