Gernot Krapingers Neuübersetzung und Neukommentierung dieses Dialogs, der u.a. das berühmte Höhlengleichnis enthält, lässt auch den philosophisch nicht vorgebildeten Leser diesen Urtext aller politischen Theorien verstehen. Platons "Politeia" ist eine der wirkmächtigsten Schriften der Antike. Wie könnte ein gerechter Staat aussehen? Wie eine gerechte Gesellschaft? Platon entwirft einen Idealstaat, in dem Männer und Frauen der herrschenden Klasse gleichberechtigt sind, es weder Heirat noch Familie gibt, alle Kinder gemeinsam erzogen werden - ohne dass sie ihre Eltern kennen -, niemand etwas besitzt, eine kultivierte Elite über Recht und Ordnung wacht und Philosophen die Geschicke lenken. Einem jeden gehe es nicht um sein persönliches Glück, sondern um das Wohl des Staates: Ideal oder totalitäre Horrorvision?
Ohne erkennbaren Anlass, aber mit Nachdruck erinnert Michael Kuhlmann an Platons vor zwei Jahren neu übersetzte Schrift "Der Staat". Der griechische Philosoph entwarf darin vor 2.400 Jahren die Grundzüge eines idealen Staatswesen. Dass Platon kein Demokrat war, liegt für Kuhlmann auf der Hand, denn ihm schwebte die Herrschaft von Philosophenkönigen vor, die kraft ihrer Vernunft regierten. Auch die Forderung nach einer staatskonformen Jugenderziehung kann Kuhlmann nur schwer schlucken. Doch entschieden nimmt er Platon gegen die von Hannah Arendt oder Karl Popper erhobenen Vorwürfe in Schutz, er habe einem totalitären Staatswesen das Wort geredet. Dafür seien seine Gedanken zu scharfsinnig, ebenso wie seine Kritik an den Mängeln der Athener Polis, die immerhin zur Hinrichtung des Sokrates geführt hatten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2018
Otfried Höffe hat Anlass, Platons Dialog wiederzulesen mit der seiner Meinung nach überzeugenden Neuübertragung von Gernot Krapinger, für deren Gelingen er auch gleich Beispiele liefert. Die reichhaltige Bibliografie und vor allem die Anmerkungen scheinen ihm von großer Gelehrsamkeit zu zeugen, auch wenn sie nicht unbedingt helfen, den Text als philosophisches Werk zu lesen. Platons Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, wie Höffe den Text nennt, bietet die neue Übersetzung in großer Lesbarkeit unter Abbildung von Platon klarer Sprache, versichert der Rezensent.
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