Nils Langhans

Irgendwann kommt immer ein Meer

Cover: Irgendwann kommt immer ein Meer
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783690970105
Gebunden, 128 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Sein Lachen, als er eingebuddelt im Ostseesand liegt. Das Sparguthaben, berechnet mit dem Aldi-Computer aus dem Sonderangebot. Teewurstbrötchen, am Vorabend für die Autofahrt geschmiert. Fingerflecke auf der Brille. Die minzgrüne Morphiummaschine. Noch sechseinhalb Jahre nach seinem Tod ist der Vater anwesend: als Bilder in der Erinnerung des Erzählers. Als genetische Spur, in seinen Haaren, seiner Haut. Als warmes Gefühl. Aber manches verflüchtigt sich, wird unscharf, denn wir vergessen, und anderes haben wir nie gewusst. Was bleibt von einem Menschen nach seinem Tod? Was können wir konservieren, wenn wir von ihm erzählen? Wie schreiben wir selbst ihn fort?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.12.2025

Lesenswert findet Rezensent Carsten Hueck dieses Buch, aber gleichzeitig erscheint ihm Nils Langhans' Annäherungen an seinen verstorbenen Vater ein wenig überambitioniert. Langhans Vater war Finanzbeamter, der Sohn imaginiert sich nun zurück in seine eigene Studienzeit, in der Beschreibung des Verhältnisses zum Vater, als die sich der Roman entfaltet, schwingt immer das Wissen darum mit, dass ein Mensch allein durch Literatur nicht ganz greifbar werden kann, dass der Vater dieses Romans also eine Erfindung des Sohnes ist. Erinnerung und Reflexion fließen also immer ineinander, so Hueck, in einem Buch, das sich in abgehackt wirkenden Sätzen entfaltet, die teilweise den Rezensenten an ein Prosagedicht erinnern, das sich um Themen wie Angst und Enge dreht, aber auch vielfach Alltagsvorkommnisse wie Einkäufe oder Autofahrten thematisiert. Hueck zitiert einige dieser eigentümlichen Sätze und merkt an, dass manche zwar in der Tat originell und poetisch sind (ein Beispiel: "Dann schlage ich, säge ich, hauen wir das Bäumchen kurz und klein"), andere hingegen ein wenig banal (ebenfalls ein Beispiel: "Eine Haut ist eine Grenze zur Welt"). So bleibt das Fazit ambivalent, wobei der Rezensent Langhans zugute hält, dass er mehr wagt als die meisten seiner Schriftstellerkollegen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2025

Nils Langhans' Protagonist hat den Vater an den Krebs verloren und versucht, ihn in der Sprache wiederzufinden, fasst Rezensentin Sophia Merwald die Prämisse seines Debütromans zusammen: Eine enge familiäre Bindung entspannt sich aus den Erinnerungen, die Langhans zeigt, der Vater entscheidet sich gegen die Kunst und für den sicheren Bankjob, er lässt seine Schuppenflechte behandeln, will immer nur das Beste für den Sohn. Dieser Sohn versucht, sich so akkurat wie möglich der Vergangenheit anzunähern: Langhans "pflückt Erinnerungsfetzen wie Blätter", so drückt es die Kritikerin aus. Für sie ist das Buch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Verlust und dem Versuch, der Sprache eine neue Dimension abzuringen.

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