Sohn ohne Vater
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462005882
Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
"Sohn ohne Vater" erzählt von einem trauernden Sohn, vom Zusammenhalt einer Familie, der trügerischen Erinnerung und einer Reise in ein fremdes Land - zur Mutter und zum toten Vater. Es ist früh am Morgen, als die Mutter anruft, um ihm zu sagen, dass sein Vater gestorben ist. Der Erzähler weiß nicht, was er tun soll. Er ist allein in seinem Schmerz. Wer kann ihm helfen, wer ihn trösten? Nach und nach wird ihm klar: Er muss in die Türkei. Er muss zu seiner Mutter, muss sie stützen - und am Grab des Vaters stehen, um sich von ihm verabschieden zu können. Der Erzähler, ein Schriftsteller aus Kiel, leidet unter Flugangst. Er bittet zwei Freunde, ihn mit dem Wohnmobil mitzunehmen. Gemeinsam planen sie die Reise: über Linz, Szeged und Edirne bis nach Edremit und zurück. Über fünftausend Kilometer. Es ist der Beginn eines abenteuerlichen, fiebrigen Roadtrips quer durch Europa, der geprägt ist von den flirrenden Erinnerungen an den Vater und seine vielen Leben: an den Ehemann, an den Akkordarbeiter, an den Geschichtenerzähler oder den Siebzigjährigen, dessen gefärbte Koteletten eine ganze Feriensiedlung in Aufruhr versetzen konnten. Mit seinem Roman stellt sich Feridun Zaimoglu die Frage, wie wir jene erinnern, die uns am nächsten stehen und uns doch manchmal seltsam fremd erscheinen, die uns lieben und prägen, um die wir uns sorgen - und die wir trotz allem irgendwann einmal gehen lassen müssen.
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.04.2025
Spürbar bewegt rezensiert Ronald Düker den neuen Roman von Feridun Zaimoglu, der ihm vom titelgebenden Sohn erzählt, der sich nach dem Tod des Vaters auf eine Wohnmobilreise in die Türkei begibt. Das wesentliche Thema des Romans ist die Trauer, verrät uns der Kritiker, aber es geht noch um mehr: Wenn Zaimoglu seinen Reisebericht mit Erinnerungen, aber auch Schauermomenten durchzieht, erlebt Düker, wie hier ein Sechzigjähriger selbst noch einmal zum Kind wird. Darüber hinaus erfährt der Rezensent in diesem "anekdotischen Erinnerungsmosaik" allerhand über das Schicksal der auch von Zaimoglu so benannten "Arbeitstürken" im Deutschland der Sechziger. Und wenn der Kritiker schließlich einsam mit dem Autor durch verlassene Gegenden wandert, scheint es ihm gar, als hätte Wim Wenders einen Handke-Roman der Siebziger verfilmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2025
Rezensent Wolfgang Schneider ist ganz angetan vom neuen Buch von Feridun Zaimoglu. Es ist das "persönlichste" Buch des Autors, verrät uns der Kritiker, der hier einem bereits sechzigjährigen Sohn nach dem Tod des Vaters auf einer "phantasmagorischen Trauer-Reise" in die Türkei zur trauernden Mutter folgt. Nicht nur wie Zaimoglu das Bild des Vaters, der in den Sechzigern als "Arbeitstürke" nach Deutschland kam, in Episoden zusammensetzt, beeindruckt den Rezensenten. Auch die Balkanreise, die den Ich-Erzähler vor immer "bizarrere" Herausforderungen stellt, etwa wenn er von einer alten Frau und kahlen Kindern ausgeraubt wird, reißt Schneider mit. Vor allem aber ist es die Sprache in diesem "Fabulierkunstwerk", die den Rezensenten umhaut: Neben den geradezu feierlich wirkenden Dialogen mit der eigenwilligen Mutter entdeckt er hier Sätze, auf die sogar Kafka neidisch gewesen wäre. Diesem herausragenden tragikomischen Werk verzeiht Schneider gern ein paar Längen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 18.02.2025
Rezensentin Sigrid Brinkmann liest Feridun Zaimoglus autobiografisches Buch, das mit dem Tod von Feriduns Vater in der Türkei einsetzt (Ich-Erzähler und Autor haben den gleichen Namen) als Erinnerung und Liebeserklärung an seine Mutter. Wie Zaimoglu hier anatolische Lebensweisheiten mit Anklängen an Gedichte und eigenen Erinnerungen spielerisch verschneidet, findet sie lesenswert. Herausgekommen ist dabei ein ergreifendes, poetisches Buch über ein türkisch-deutsches Erbe und den Zusammenprall von Orient und Okzident, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2025
"Halb Kindheitserinnerung, hab skurilles Roadmovie des Widerwillens" hat Rezensentin Susan Vahabzadeh mit dem neuen Buch von Feridun Zaimoglu vor sich: Ausgangspunkt des Romans ist der Tod des Vaters. Der Erzähler, ein in Kiel lebender Schriftsteller, mietet mit einem Verwandten ein Wohnmobil, um zur Beerdigung in die Türkei zu fahren, wohin die Eltern vor einigen Jahren zurückgekehrt sind. Diese Reise ist auch eine innere, meint Vahabzadeh. Der Erzähler träumt von seinem Vater, der in diesen Erinnerungen ein bisschen besser, ein bisschen sanftmütiger ist als er in echt war, dazwischen passieren zwischen unfreundlichen Grenzen und kalten Hotelzimmern allerhand mysteriöse Dinge, so die Kritikerin. Für sie ist das zentrale Thema dieses Buch die Trauer, die Erinnerungen und die "Prägungen" als Mensch mit "Migrationshintergrund", der sich nicht in Deutschland oder der Türkei zuhause fühlt, sondern nur in Kiel. Aber es geht, scheint ihr, auch um die Frage, inwieweit man sich als Mensch dem modernen, immer schnelleren Leben anpassen kann und sollte.