Seinetwegen
Roman

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406822407
Gebunden, 204 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall starb. Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie. Mutter und Tochter sprachen kaum über ihn. Wenn die Mutter ihn erwähnte, brach die Tochter mit klopfendem Herzen das Gespräch ab. Sie konnte den Schmerz der Mutter nicht ertragen. Jetzt, inzwischen sechzig geworden, fragt sie sich: Was ist aus dem damals erst 28-jährigen E.T. geworden, der den Unfall verursacht hat? Wie hat er die letzten sechzig Jahre gelebt mit dieser Schuld? Seinetwegen ist der Roman einer Recherche: Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach E.T., um ihn mit der Geschichte ihrer Familie zu konfrontieren. Ihre Suche führt sie in abgründige Gegenden, in denen sie Antworten findet, die neue Fragen aufwerfen. Was macht es mit ihr, dass sie plötzlich mehr weiß über ihn, den Mann, der ihren Vater totgefahren hat, als über den Vater selbst? Und wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird?
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2024
Zora del Buonos Vater wurde Opfer eines brutalen Autounfalls, ihren neuen Roman hatte sie ursprünglich begonnen, um dem Unfallverursacher auf die Spur zu kommen, informiert uns Rezensentin Nadine A. Brügger: Davon ausgehend erzählt sie nun die Geschichte ihrer Familie zwischen Bari, Zürich und Berlin, zwischen Architekturstudium, schriftstellerischer Karriere und Demenz der Mutter. Was sich zunächst verzettelt anhört, ist aber in der klugen Sprache von Buono "ein Genuss", bekräftigt Brügger - ein Leben, von dem zu lesen ihr große Freude bereitet, das Buch steht ihr zufolge völlig zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 23.08.2024
Rezensentin Doris Brockmann erfährt allerhand über das Leben ohne Vater in dem neuen Buch von Zora del Buono. Halb autofiktional, halb mit Mitteln des Detektivromans und ein bisschen auch mit Ausgriffen in historische und soziokulturelle Zusammenhänge erzählt die Autorin laut Brockmann vom Verlust des Vaters, von einer seltsamen Unberührtheit des Kindes und dem Unverständnis seiner Umgebung und vor allem von der Spurensuche nach dem Verursacher des Autounfalls, dem der Vater zum Opfer fiel. Diese Nachforschungen, die zu einem überraschenden Ergebnis führen, findet Brockmann spannend. Der unsentimentale Stil gefällt ihr, und die Art, wie del Buono die verschiedenen Stränge ihrer Geschichte miteinander verwebt, findet sie beeindruckend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.07.2024
"Seinetwegen" sucht nach einem Toten, und "erzählt vom Hier und Jetzt", schreibt Rezensentin Cornelia Geißler über Zora del Buonos außergewöhnlichen Roman über eine außergewöhnliche Recherche. Ihr Vater starb bei einem Autounfall durch ein Überholmanöver eines anderen Fahrers, als del Buono selbst noch ein Säugling war, lesen wir. Nun begibt sie sich auf die Suche - nach dem Vater und nach seinem "Töter", wie sie ihn als Kind nannte, trägt alle möglichen Fakten, Statistiken, Dokumente und Erinnerungsstücke zusammen, spricht mit Nahestehenden, erinnert sich - an ihre Mutter, an ihre Großmutter. Und doch leistet sie mehr als nur eine Rekonstruktion eines Unfalls, mehr auch noch als die Annäherung an den Vater, den sie nie kennenlernen durfte und darüber eine Annäherung an sich selbst. Sie "erzählt vom Leben", und das auf eine wunderbar sensible, "berückende" Weise, findet die Rezensentin, in einem Text, in dem jeder Satz stimmt, jeder Gedanke genau den Raum bekommt, den er braucht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.07.2024
Rezensentin Bettina Baltschev hält Zora del Buonos Buch über den Unfalltod des Vaters für ein gelungenes Memoir, fein formuliert und assoziativ. Die Balance zwischen persönlich und literarisch gelingt, versichert Baltschev. Die Geschichte der Spurensuche nach dem Verursacher des Unfalls kreist um die Veränderungen der Realität durch das Erinnern und um den Frieden, den so eine Suche bringen kann, aber auch um die Unwägbarkeit unserer Existenz, erklärt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.07.2024
Rezensent Hilmar Klute ist sehr überzeugt von Zora del Buonos neuem Tatsachenroman. Darin geht die mittlerweile in Berlin lebende Schriftstellerin, Architektin und Zeitschriftengründerin autobiographisch dem Unglücksfall nach, der ihr Leben prägte: Ihr Vater starb bei einem Autounfall, als sie acht Jahre acht war. Nun kehrt sie in ihre Schweizer Heimat zurück, um die Umstände des Unfalls zu erkunden und den Verursacher zu finden. Dabei spürt del Buono, so Klute, mit den "Deformationen" ihres eigenen Charakters auch den Folgen nach, den so eine Tragödie im Leben eines Menschen anrichtet. Zugleich wendet sie sich laut dem Rezensenten in soziologisch geschulten Exkursen den gesellschaftlichen Umständen in den Siebziger Jahren in der ihr nun fremd gewordenen Schweiz zu. Klute lobt vor allem del Buonos sachliche Sprache, die bei aller Tragik nicht ins allzu Emotionale kippt.