Aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach. Dorrit Wegner lebt in nicht allzu ferner Zukunft. Sie gehört zu den Entbehrlichen, denjenigen, die ihre Produktivität nicht durch die Geburt eines Kindes unter Beweis gestellt haben. Und so wird sie an ihrem 50. Geburtstag in die Einheit eingewiesen, eine Anlage, die, obwohl mit allem nur erdenklichen Luxus ausgestattet, nur einem Zweck dient: Die Bewohner müssen sich für psychologische Tests und Organentnahmen zur Verfügung stellen, bis hin zu einer radikalen Operation, der so genannten Endspende für die Benötigten, die zum sicheren Tod des Spenders führt. Überraschend schnell gewöhnt sich die eigentlich freiheitsliebende Dorrit in die Einheit ein, bis sie in dem Mitbewohner Johannes die erste große Liebe ihres Lebens findet. Mehr noch: Sie wird schwanger just in dem Moment, in dem Johannes erfährt, dass er für die finale Operation vorgesehen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2008
Für Rezensent Arnd Rühle hat Ninni Holmqvists Roman durchaus provozierendes Potential. Es handelt sich, erfahren wir, um die schaurige Zukunftsvision einer Gesellschaft, die Menschen per demokratischen Mehrheitsbeschluss in "entbehrliche" Organspender und "Benötigte", eingeteilt hat. Holmqvists Hauptfigur, die kinderlose 50-jährige Schriftstellerin Dorrit wird in einem als Wellness-Paradies ausgebauten Lager interniert, das quasi als Organ-Ersatzteillager des Landes fungiert, wo sie sich verliebt und sogar schwanger wird, fasst der Rezensent zusammen. Leider neigt die Heldin dazu, sich ungehemmt ihren redundanten Gedanken- und Gefühlsregungen hinzugeben und abschweifend ihre Vorgeschichte zu beleuchten und so ist aus dem Roman nicht das "beachtliche" Werk geworden, das es hätte sein können, so Rühle bedauernd.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2008
Bissig und provokant findet Kai Wiegandt diesen Roman aus dem neu gegründeten Münchner Fahrenheit Verlag. Die von Ninni Holmqvist entworfene Vision eines Lagers für Entbehrliche, Künstler und Intellektuelle nämlich, misst er an ihrem Gegenwartsbezug und stellt fest, dass die Autorin aktuelle Produktivitätsforderungen biopolitisch überspitzt und ihnen konsequent Humanismus entgegensetzt. Dass ihm nicht alle Voraussetzungen, mit denen die Autorin arbeitet (die Idee vom einsam tätigen Künstler etwa), stimmig erscheinen und ihm Holmqvists Stil eher spröde vorkommt, hält den Rezensenten nicht davon ab, uns das Buch als gedankenreichen Anstoß zur Diskussion über die vermeintliche Gleichheit der Menschen zu empfehlen.
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