Noelle Revaz

Das unendliche Buch

Roman
Cover: Das unendliche Buch
Wallstein Verlag, Göttingen 2017
ISBN 9783835318700
Gebunden, 284 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch. Noëlle Revaz entwirft ein satirisch-groteskes Zukunftsszenario des Kultur-, Medien- und Literaturzirkus, aber seine Elemente muten gar nicht so unbekannt an. Die Buchpremiere ist eine gigantische Fernsehshow, die Moderatoren werden als Stars gefeiert, die Schriftstellerinnen stellen sich selbst dar. Niemand kommt auf die Idee, ein Buch aufzuschlagen oder gar darin zu lesen. Seine Qualitäten werden zelebriert wie bei einer Prêt-à-Porter-Inszenierung, bestens ausgeleuchtet. Einbandfarbe und -material, Größe und Dicke sind von Belang, und die Biografien der Autorinnen natürlich. Neue Ideen und Kreativität sind immer gefragt, allerdings nicht bei der Entstehung eines Kunstwerks, sondern ausschließlich bei der Vermarktung der Leere, etwa wenn zwei Sternchen des Zirkus zu einer Figur verschmolzen werden sollen: Joeanna Fortunaggi - die Sensation der Saison. Unvorhergesehenerweise bringen sie alles durcheinander: Sie tun es wirklich, sie schreiben ein Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2017

Rezensentin Katharina Teutsch ist mit Noelle Revaz' neuen Roman "Das unendliche Buch" nicht zufrieden. Die in naher Zukunft spielende "Literaturbetriebsfarce" um die beiden Starautorinnen Jenna Fortuni und Joanna Fortaggi, die in einer zur großen "Diskursmaschine" inszenierten Talkshow-Welt zu einer Kunstfigur verschmelzen, enthält zwar die ein oder andere witzige Idee, meint die Kritikerin, die hier in eine Welt taucht, in der das Aufschlagen eines Buches als anstößig gilt. Leider mangelt es dem Roman allerdings nicht nur an psychologischer Figurengestaltung, sondern auch an überzeugendem dystopischen Potenzial, klagt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2017

Samuel Moser ist ganz froh, dass Noëlle Revaz' Buch immerhin das Gegenteil dessen beweist, was die Autorin hier verhandelt: Das Ende der individuellen Autorin und einer Literatur, die etwas zu sagen hat. Als Satire natürlich, erklärt Moser, als zynischer Zukunftsentwurf der Literatur. Moser schmerzt das vor allem, da die Autorin das geradezu zelebriert. Dass sie dabei den Text mitunter überfrachtet, wie Moser behauptet, lässt er ihr durchgehen. Bedeutsam erscheint ihm der Text aber nicht so sehr als Literatursatire, sondern als Hinweis auf ein gestörtes Leben und ebensolche Beziehungen.
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