Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.01.2020
Für Rezensentin Judith von Sternburg gibt jede der 13 Erzählungen aus Lukas Bärfuss' Band "Malinois" "ausreichend Stoff" für die Bühne her. Auch wenn die Figurenzeichnung bei der Leserschaft eher Unbehagen auslöst und die Geschichten der Rezensentin zufolge eher "ins Grobe gehauen" und teilweise "umständlich" erzählt wirken, fühlt sich Sternburg von der "spröden, präzisen" Tonlage des Autors unterhalten. Sternburg gefällt die Ruhe, mit der Bärfuss scheinbar dramatische Ereignisse seiner Geschichten lakonisch ins Leere laufen lässt. Positiv überrascht ist die Rezensentin von den Verläufen, die der Autor zeichnet, ohne dabei narrativen wie psychologischen Konventionen zu unterliegen. Auch dass sich in dem aus über zwanzig Jahren angesammelten Material, das im Band zu Papier gebracht wird, auch "scharfe, sehr prägnante" Sozialkritik findet, überzeugt die Rezensentin von dem Erzählband.
Cornelius Wüllenkemper hält Lukas Bärfuss für einen glaubwürdigen Erkunder menschlicher Lügen und Abgründe. Im neuen Erzählband stößt der Rezensent zwar auch auf konstruiert Wirkendes, Unfertiges, ja Unverständliches, meist aber gelingen dem Autor laut Wüllenkemper hier Geschichten über Entfremdung und Begehren, die durch Genauigkeit und Unmittelbarkeit auffallen und mit sprachlicher Prägnanz glänzen. Analysen des Zwischenmenschlichen, die in der Erfahrung des Autors gründen mögen oder nicht, die jedenfalls ins Kleinste vordringen und menschliche Verlorenheit ausloten, so Wüllenkemper.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.10.2019
Paul Jandl ist geteilter Meinung über die Erzählungen von Lukas Bärfuss aus den vergangenen 20 Jahren. Wie man aus der Kurve des Alltags fallen kann, darüber weiß der Autor laut Jandl zwar facettenreich zu berichten, doch leider sind die Helden seiner Texte immer Männer, die Frauen nur Staffage, meint er. Und immer wenn Bärfuss die schöne Lakonie der Unglücksbeschreibung aufgibt, um etwa eine Künstlerparabel abzuliefern, wird es dem Rezensenten allzu eitel und überflüssig, weil dann zum Beispiel eine Tiefe suggeriert wird, die so tief nicht ist. Am besten gefallen Jandl sowieso die "schafsgesichtigen" richtig blöden Helden in diesem Band.
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