Ludwig Hohl fand erst im Alter die ihm gebührende Anerkennung. Sein Denken in Fragmenten, entlang der Zwischenräume und Ränder des Bewusstseins, ist von erstaunlicher Modernität, entwickelt in den Zwanziger- und Dreißigerjahren, aus Heimatlosigkeit. Die Biografie von Anna Stüssi rückt diese Zeit ins Zentrum. Der junge Hohl flieht aus der Enge der Schweiz zunächst zum Pariser Montparnasse. Ruhelos ist er unterwegs, weiter in die Alpen, nach Marseille, Wien und schließlich ins stille Den Haag, wo er den Durchbruch zu seiner ganz eigenen Denkform erlebt. Als er aus finanzieller Not 1937 in die Schweiz zurückkehrt, trägt er im Gepäck sein fast vollendetes Werk: tausend Seiten "Notizen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2014
Sabine Haupt findet Anna Stüssis Annäherung an Ludwig Hohl zeitgemäß und wichtig. Stüssis entmythologisierender Ansatz fügt dem bislang gültigen Bild des verkannten, stets am Rand des Existenzminimums und der totalen Vereinzelung sich bewegenden Dichters einige bedeutende Nuancen hinzu, wie Haupt erklärt. So, differenziert, gut recherchiert und fair betrachtet, meint Haupt, entpuppt sich Hohl als von Verwandten und Kollegen umsorgter stolzer Exzentriker. Die von der Autorin vorgenommene Kontextualisierung des Schweizer Autors, die Darstellung seiner Aufenthalte, seiner Bekannten und der ins Werk eingehenden Ereignisse und Rezeptionen machen das Buch für Haupt zudem lesenswert auch für "Nichteingeweihte".
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