Als Julian Myriam das erste Mal in einer Karaokebar in Marseille sieht, kann er nicht mehr wegschauen. Ein Gespräch, ein Duett und einen illegalen Ausflug auf ein Baugerüst später ist das immer noch so. Auch Myriam fühlt: Das hier ist anders als sonst. Beide sind jung, belesen, kritisch und über allem liegen der Zauber und die Leichtigkeit von Marseille. Und doch bricht der Kontakt ab, als beide in ihre Leben zurückkehren, Myriam nach Paris, Julian nach Berlin. Als Myriam für ihre Promotion nach Berlin kommt, begegnen sie sich wieder. Doch nach dem 7. Oktober teilt sich ihr Umfeld in zwei Seiten - und sie stehen auf der jeweils anderen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.09.2025
Nora Haddada legt mit "Blaue Romanze" eine beeindruckende literarische Analyse des Diskurses über Israel und Palästina vor - ein riskantes Unterfangen, erkennt Rezensentin Undine Fuchs. Denn: Für viele Leserinnen und Leser wird zumindest einer der im Roman formulierten Standpunkte schwer nachvollziehbar sein. Die so erzeugte "Abwehrreaktion" allerdings können wir als teil des literarischen Konzepts verstehen, erklärt Fuchs: Indem wir den Figuren Myriam und Julian nahekommen, ihnen bei ihrem verzweifelten Versuch zuschauen dürfen, sich sprechend, liebend einen "common ground" zu erarbeiten, beobachten wir auch uns selbst, unser Unverständnis, unsere Reaktionen, im geschützten Raum des Romans. Nora Haddada trifft hier also nicht nur absolut überzeugend den Ton akademischer, linker Millenials, sondern sie stellt auch die wichtige Frage, wie sich in gespaltenen Gesellschaften Kommunikationsräume öffnen und erhalten lassen, so die beeindruckte Rezensentin.
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