Gerade vor Familiengerichten wird gelogen, dass sich die Balken biegen und niemanden kümmert es. Norbert Blüms erste Vermutung, es handele sich bei den bekannten Fällen um Einzelfälle, bestätigte sich mit seiner genaueren Recherche nicht. Vielmehr ist von einem System auszugehen, denn die Vielzahl der Fälle zeigt: Die Wahrheit interessiert weder Richter, die allzu oft auf hohem Ross sitzen, noch Anwälte, die mit viel Geld das Recht nach Belieben verdrehen. Und die Mittel der Politik reichen offenbar nicht aus, dass vor allem die sogenannten kleinen Leute den Funken einer Chance besitzen, ihr Recht zu bekommen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014
Norbert Blüms Buch "Einspruch! Wider die Willkür an deutschen Gerichten" wird viele Leser in Aufruhr versetzen, versichert Rezensent Hartmut Palmer und begrüßt das sehr. Denn Blüms Empörung über deutsche Gerichte kann Palmer nach der Lektüre gut verstehen. Mit eingehenden Bildern und in angenehmen Tonfall stellt er hier seine jahrelangen Recherchen und Interviews mit Betroffenen vor, die von deutschen Gerichten offensichtlich ungerecht behandelt wurden. Der Kritiker erfährt viel über arrogante Richter, eitle Staatsanwälte sowie Gutachter und Experten, die nur nach dem Willen ihrer Auftraggeber handeln. Blüms Erzählweise sei es zu verdanken, dass der Leser in der Auflistung der zahlreichen Einzelfälle nicht nur ein System erkennten, sondern juristische Sachverhalte auch verstünden, glaubt der Rezensent.
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