Olaf Schmidt

Der Oboist des Königs

Das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach
Cover: Der Oboist des Königs
Galiani Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783869711850
Gebunden, 544 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Von Leipzig bis in die Harems Konstantinopels: Ein opulenter historischer Roman über die Welt und Weltpolitik des Barock und das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach, Oboist des Königs von Schweden und älterer Bruder von Johann Sebastian Bach. Der frühe Tod der Eltern lässt Johann Jacob Bach mit seinem jungen genialischen Bruder Johann Sebastian als Waisen zurück. Gemeinsam wachsen sie auf und werden zusammen ausgebildet. Schneller noch als alle anderen der weitverzweigten Musikerfamilie Bach sichert sich Johann Sebastian eine einträgliche Kantorenstelle - Johann Jacob dagegen schert aus: Er zieht als wandernder Musikant durch die Lande, trifft Händel, Telemann und andere, wird Mitglied des Collegium Musicum in Leipzig. Bis ihn die weltpolitischen Umwälzungen erfassen, die damals ganz Europa erschüttern: Der tollkühne schwedische Abenteurerkönig Karl XII. erobert große Teile Mitteleuropas.
Auch Sachsen ist besetzt - und durch eine Fügung des Schicksals verschlägt es Johann Jacob als Regimentsmusiker in dessen Leibgarde.So gerät er mit auf dessen Russlandfeldzug, der nach sagenhaften Anfangserfolgen in russischen Weiten und Wintern scheitert und in der verheerenden Schlacht bei Poltawa endet, bei der die ausgehungerte schwedische Armee fast vollständig vernichtet wird und der verletzte König Karl und seine Leibgarde sich nur mit Müh und Not retten können - in die Türkei, wo der macht- und mittellose Karl auf Vergeltung sinnt und seine Depressionen mit Musik zu heilen sucht; und wo der Musiker Johann Jacob Bach neue musikalische Welten entdeckt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.08.2019

Olaf Schmidt hat sich in diesem umfangreichen historischen Roman Johann Jacob Bach gewidmet, dem Bruder des berühmten Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach, erklärt Rezensent Tim Caspar Boehme, der das für einen grandiosen Schachzug hält: An den wenigen bekannten Eckdaten zu Jacobs Leben entlang habe der Autor ein "politisches Panorama Europas im 18. Jahrhundert" entfaltet, denn Jacob war Oboist in der Hofkapelle Karls XII. und erlebte daher dessen Russlandfeldfug gegen Peter den Großen und das darauf folgende Exil, so Boehme.  Auf diese Weise konnte Schmidt dem Rezensenten zufolge eine "große Erzählung über Musik, Krieg und Glauben" schreiben, denn im Gegensatz zum gottesfürchtigen Bruder stellt Jacob Gott angesichts all der Grausamkeit, die er sieht, laut Boehme bald infrage.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.04.2019

Elmar Krekeler liest Olaf Schmidts Roman über Johann Sebastian Bachs Bruder Johann Jacob flott runter. Auch wenn der Mann so dunkel bleibt wie seine von Kriegen geprägte Zeit und kaum Spuren hinterlassen hat, gelingt es dem Autor laut Krekeler, ihn zum Zeitzeugen hochzuschreiben. Indem Schmidt Bachs Reise an der Seite von Karl XII. von Schweden nachzeichnet und die politische Geschichte jener Zeit mit Karl, Peter und August dem Starken ausleuchtet, schafft er einen veritablen Albtraum, staunt Krekeler. Dass der Autor wenig spekulativ vorgeht und der Figur ihre Schatten lässt, gefällt dem Rezensenten. Das Buch ist für ihn Entwicklungs-, Schlachtenroman, Thriller und Musikerbiografie in einem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2019

Dieses Buch hat sich Rezensent Jan Brachmann, der Musikkritiker der FAZ, zur Rezension ausbedungen. Immerhin geht es um Johann Jacob Bach, den großen Bruder des "kleinen Sebastian". Es ist nicht viel über ihn bekannt, aber allein die äußeren Lebensstationen klingen abenteuerlich genug: Stadtpfeifer in Eisenach, Feldoboist des schwedischen Königs Karl XII., Schlacht von Poltawa, Sultanshof in Konstantinopel, Flucht nach Stockholm. Diesem Skelett hat Olaf Schmidt einiges Fleisch hinzugedichtet, aber immer mit großem historischen Respekt vor den Tatsachen, versichert Brachmann. Eine hochmodische Episode über sexuellen Missbrauch findet sich in dem Roman. Überdies gibt es theologische Spekulationen über die Theodizee, also die Frage, wie das Böse in die Welt gekommen sei, wo Gott doch als allmächtig gilt. Der Rezensent ist tief beeindruckt.
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