Olga Tokarczuk

Die grünen Kinder

Bizarre Geschichten
Cover: Die grünen Kinder
Kampa Verlag, Zürich 2020
ISBN 9783311100294
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein. Bizarr ist unsere Welt, immer in Bewegung, ständig in Veränderung begriffen. Und das gilt auch für die neuen Erzählungen von Olga Tokarczuk. Jede der zehn Erzählungen entfaltet sich in einem anderen Raum: Wolhynien zur Zeit der "schwedischen Sintflut", die heutige Schweiz, das ferne Asien, fiktive Orte der Imagination. Worin besteht das Gefühl, dass etwas "bizarr" sei? Wo hat es seinen Ursprung? Ist das Bizarre eine Eigenschaft der Welt oder liegt es in uns? In den unablässigen Rhythmuswechseln der Erzählungen verliert der Leser seine Gewissheiten. Olga Tokarczuk schubst uns aus der Komfortzone, lässt uns spüren, dass die Welt immer weniger zu fassen ist. Mit den Mitteln der Groteske, des schwarzen Humors, Elementen aus den Genres Fantasy und Horror führt sie uns vor Augen, dass in der Wirklichkeit, wie wir sie zu kennen glauben, nichts ist, was es scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2020

"Bizarr" nennt Olga Tokarczuks die Geschichten aus ihrem Erzählband, und "bizarr" müssten sie sein, um die Leser aus den wohlbekannten und - bequemen - Zonen des Denkens hinaus zu scheuchen in das Ungewohnte. Rezensent Benedikt Herber scheint der Autorin hierin zuzustimmen: Tokarczuks Erzählungen seien oft düster, immer seltsam, klug und manchmal recht "dystopisch", erklärt er. Ein königlicher Leibarzt und Naturwissenschaftler, den die Natur ekelt, untersucht zwei grüne Kinder aus dem Wald; einem neurotischen Professor, der helfen will, wird fälschlicherweise Missbrauch vorgeworfen - von solchen Figuren erzählt Tokarczuk, Vernunftmenschen, lesen wir, die für wenige Augenblicke zum Ungeordneten, Unbekannten vordringen, meist allerdings nur, um sich danach wieder in das Vertraute zurückzuziehen. Diese rein aufklärerische Vernunft ist es nach Meinung der Autorin, die den Menschen immer weiter vom Wesentlichen entfernt. Der Rezensent spürt hier eine gewisse Naturromantik, doch mit ihrer sprachlichen Eleganz vermeidet Tokarczuk jegliche Kitschfallen, lobt er.
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