Oliver Marchart

Die politische Differenz

Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben
Cover: Die politische Differenz
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518295564
Kartoniert, 394 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Kaum ein Begriff wird derzeit heftiger diskutiert als der des Politischen, der im starken Kontrast zu dem steht, was gemeinhin unter "Politik" verstanden wird. Oliver Marchart legt nun den ersten systematischen Vergleich der Denker des Politischen vor. Er unterzieht die Schriften von Jean-Luc Nancy, Claude Lefort, Alain Badiou, Ernesto Laclau und Giorgio Agamben einer kritischen Analyse, verortet sie in den breiteren Strömungen eines Linksheideggerianismus und bezieht sie auf den systematischen Horizont eines Denkens ohne Letztbegründungen. In diesem Horizont zeigen sich die philosophischen, politischen und ethischen Implikationen eines Denkens der politischen Differenz: die heutige Rolle politischer Ontologie, die Möglichkeiten einer "minimalen Politik" und eine demokratische Ethik der Selbstentfremdung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.02.2011

Rezensentin Isolde Charim begrüßt Oliver Marcharts Buch "Die politische Differenz". Sie schätzt es nicht nur, weil der Autor schwierige Theoretiker wie Claude Lefort, Alain Badiou, Jean-Luc Nancy, aber auch Giorgio Agamben "richtig gut" erklärt. Sie hält auch Marcharts eigenen Standpunkt für überzeugend. Erhellend scheint ihr die Klärung des politischen Fundaments der Demokratie, das für den Autor in einer ständigen konfliktreichen Neubestimmung der politischen Ordnung besteht. Auch die Differenzierung zwischen der Politik als dem alltäglichen Politik-Geschäft und dem Politischen als einer symbolischen Ordnung ergibt für sie Sinn. Besonders hebt sie Marcharts Plädoyer gegen eine "große Politik", gegen die Idee einer großen Entscheidungsschlacht, einer Revolution, eines Bruchs usw. und für eine minimale Politik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2011

Wie der Soziologe Oliver Machart in seinem Buch die Autoren der zweiten französischen Theorieschule (Badiou, Ranciere, Laclau, auch Agamben und andere) und ihre politische Theorie vorstellt, hat Petra Gehring gefallen. Es geht um politische Differenz, den Unterschied zwischen Alltagspolitik und einem Politischen an sich, das die Grundlagen politischer Entscheidung beinhaltet. Um diese aufzuspüren, bedient sich der Autor Heidegger'scher Begriffe und Denkweisen. Laut Gehring macht er das engagiert, kritisch und klar und mit Sinn für die Spielformen politischer Differenz und ihrer Gewichtung. Besonders imponiert der Rezensentin das vom Autor eröffnete Bezugsfeld, das ihr den gesamten Themenkomplex plastisch werden lässt, sowie Macharts Kritik, etwa an Agambens "quasitheologischem" Ansatz, die den Autoren (und dem Leser) dennoch ihr Recht auf das eigene Denken am Gegenstand belässt. Doch etwas zu sehr vielleicht, denn am Ende steht Gehring zwar mit jeder Menge Theorie in den Händen dar. Die jedoch droht ihr, bedingt durch zu wenig kritische Begrenzung, wie sie ahnt, als universaltheoretisches Ungetüm durch die Finger zu rinnen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.10.2010

"Eminent anregend" findet Thomas Assheuer diese dreihundertseitige Studie, die er als "erste enggeführte Zusammenfassung der französischen politischen Philosophie" bezeichnet. Das besondere Augenmerk des Kritikers liegt auf der französischen Heidegger-Rezeption und der Frage, wie ein rechter deutscher Denker linke Demokratiekritik inspirieren konnte. In großen, sehr kundigen Bögen zeichnet Assheurer die Themenkomplexe und verhandelten Philosophen von Jean-Luc Nancy bis Chantal Mouffe oder Giorgio Agamben nach, arbeitet sich an der von Heidegger inspirierten Trennung von "Politik" und dem "Politischen" ab, um in letzterem das immer schon Dissidente und Unterdrückte zu identifizieren. Grundsätzlich hat Assheuer bei aller Inspiration, die er dem Buch verdankt, Zweifel, ob derart aufgerüstetes Denken tatsächlich der Sache (sprich der Demokratie) dienlich ist.

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