Im Namen der Tiere
Wie eine NGO große Teile Afrikas beherrscht

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406822070
Gebunden, 315 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Die NGO "African Parks" verwaltet 22 große Naturparks in Afrika und gilt als Erfolgsgeschichte. Doch was und wer steckt wirklich dahinter? Olivier van Beemen deckt in seinem die staatsähnlichen Strukturen, die Macht der African-Parks-Milizen und das rücksichtslose Vorgehen gegen die lokale Bevölkerung auf. Kritiker sprechen von "grünem Kolonialismus". Oder ist es der alte Kolonialismus in neuem Gewand? "African Parks" verwaltet eine Fläche von der Größe Großbritanniens und hat sich in Afrika von zwölf Staaten Hoheitsrechte übertragen lassen. Die Organisation unterhält bewaffnete Kräfte mit weitgehenden Befugnissen zum Schutz der Gebiete - vor Terroristen, vor Wilderern und vor der Bevölkerung. Einheimische dürfen das von ihnen traditionell genutzte Land nicht mehr betreten, es kommt zu Folter und Vergewaltigung. Der Safari-Tourismus, Spenden von Milliardären und westlichen Regierungen, auch der deutschen, bringen reiche Einnahmen. An der Spitze steht eine weiße Elite, die alles daransetzt, nur schöne Bilder von Großwild und intakter Natur nach außen dringen zu lassen.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2024
Ein wichtiges Buch, das vielleicht nicht weit genug geht, hat Olivier van Beemen laut Rezensent Jan-Niklas Kniewel geschrieben. Es widmet sich der Organisation African Parks, die, erläutert Kniewel, vom Niederländer Paul van Vlissingen gegründet wurde und in zwölf afrikanischen Ländern aktiv ist, wo sie 22 Naturschutzgebiete betreibt. Beziehungsweise verkauft African Parks die Fantasie eines unberührten Afrikas an weiße Touristen, und geht gleichzeitig mit teils militärischer Härte gegen einheimische Bauern und Jäger vor. Auf umfangreichen Recherchen, Dokumenteneinsicht sowie Gesprächen mit vielen Menschen beruht diese Studie, heißt es weiter, sie zeigt vor allem auch die Unfähigkeit der Organisation auf, mit neuen Ideen oder Kritik umzugehen, was unter anderem dazu führt, dass besonders brutal vorgehende Mitarbeiter Glanzkarrieren innerhalb von African Parks hinlegen. All das ist in gut lesbarer Form aufbereitet, freut sich Kniewel, der freilich moniert, dass van Beemen allzu selten größere Kontexte in den Blick nimmt. Schließlich ist, darauf weist der Rezensent abschließend hin, hinreichend belegt, dass viele andere Naturschutzorganisationen in Afrika ähnlich agieren, insofern ist das Buch vor allem ein weiterer Beleg für die Probleme des Naturschutzes auf dem Kontinent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.12.2024
Sehr viele Zweifel am Vorgehen von African Parks weckt dieses Buch, meint Rezensent Arno Orzessek. Olivier van Beemen hat sich in einer ausführlichen Recherche mit dieser millionenschweren, von zahlreichen Prominenten und europäischen Organisationen unterstützten NGO beschäftigt und stößt dabei auf ein neokolonialistisches Gebahren, das Touristen in seinen mittlerweile 22 Parks, die bald die Größe Frankreichs erreichen könnten, ein romantisches Afrikabild verkaufen will. Unter anderem geht es, heißt es weiter, um die autoritäre Umsiedlung von Menschen, die in der Nähe der Parks wohnen, um folternde und vergewaltigende Ranger und um die Kollaboration mit staatlichen Unterdrückungsapparaten. Beemen will laut Orzessek zwar nicht abschließend darüber urteilen, ob das Vorgehen von African Parks insgesamt eher schädlich oder nützlich ist, aber er legt zumindest Erschreckendes offen über diese oft mit brutalen Mitteln vorgehende Organisation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2024
Rezensent Andreas Eckert erfährt aus Olivier van Beemens gut recherchiertem Buch Wissenswertes über die gar nicht so ehrenhaften Geschäftspraktiken der gut geförderten NGO African Parks. Laut Autor geht es der NGO weniger um Arten- und Naturschutz auf dem afrikanischen Kontinent als vielmehr um den Status als zentraler Player im Naturschutzbusiness. Hinter den Kulissen entdeckt der Autor laut Eckert eine von Weißen geführte Organisation, denen die einheimische Bevölkerung trotz gegenteiliger Versicherungen ein Dorn im Auge ist, die elitär und rassistisch agiert und sogar gewalttätig ist. Die im Buch dokumentierte Korrespondenz mit African Parks belegt den Hochmut der NGO, findet Eckert.