Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. Mitten im Zentrum der angolanischen Hauptstadt Luanda steht das Maianga-Gebäude, ein heruntergekommenes Hochhaus, an einem riesigen Loch in der Außenwand zu erkennen. Im ersten Stock strömt pausenlos frisches Wasser aus maroden Leitungen. Es ist ein Ort der Magie, Treffpunkt der Hausbewohner, Straßenhändlerinnen, Journalisten, Tagediebe. Auf dem Dach wird ein illegales Kino betrieben, das bisweilen ganz ohne Leinwand auskommt. Korrupte Beamte, ein Hahn namens Camões und ein Briefträger, der seine Briefe meist selber schreibt, gehen ein und aus, sogar ein leibhaftiger Minister taucht plötzlich auf - rein privat selbstverständlich. Im Untergrund von Luanda wird derweil nach Erdöl gebohrt, Gerüchte um eine ominöse Erschließungsgesellschaft machen die Runde, Politiker wittern das große Geld, während Angola sich auf eine weltweit beachtete Sonnenfinsternis vorbereitet, die in letzter Sekunde von der Regierung schlicht abgesagt wird. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und Luanda brennt. "Die Durchsichtigen" ist eine poetische Satire auf das postkoloniale, postsozialistische, real existierende Angola, eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die Bewohner Luandas.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2015
Rezensentin Angela Schader nimmt sprachlich wie inhaltlich Überschüssiges großzügig in Kauf für Ondjakis in einem Mietshaus Luandas sich zentrierende Geschichte um Korruption und Intrigen in Angolas Landeshauptstadt. Sogar dass der Autor den Leser gleich zu Beginn mit einer Feuersbrunst und allerhand einander durchkreuzender Handlungsstränge traktiert, steckt die Rezensentin gut weg - für eine "farbensatte" Geschichte, eine interessante Erzählstimme und eine Politsatire, in der lauter komische wie tragische, stets lebensnahe Figuren ihren Auftritt haben, wie Schader meint. Platter Sozialkitsch ist dieser Roman nicht, versichert sie.
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