Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier. Ich heiße Hector - meine Eltern haben eine Schwäche für griechische Helden. Aber ich glaube, dass sie es bereuen, mir diesen Namen gegeben zu haben. Sie hätten mich lieber "Katastrophe" oder "Hoffnungsloser Fall" nennen sollen. Eigentlich habe ich mich damit abgefunden, dass ich immer nur Ärger bekomme. Aber seit ich dem Mann, der im Park wohnt, einen Streich gespielt habe, ignorieren mich alle nur noch. Dabei habe ich sogar versucht, es wiedergutzumachen! Noch nicht mal jetzt, wo ich einem Komplott gegen die Obdachlosen der Stadt auf die Schliche gekommen bin, hört mir jemand zu! Alle denken, dass ich nur ein Mobber bin. Aber ich werde ihnen beweisen, dass auch ich ein Held sein kann!
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2021
In "Die Nachtbushelden" führt die Autorin und Aktivistin Onjali Q. Rauf ihr soziales Engagement literarisch weiter, und zwar klug und zurückhaltend, erklärt Rezensentin Yvonne Poppek. Im Vordergrund steht nämlich stets die aufregender Geschichte zweier Außenseiter: Einem "verwöhnten Mobber aus der Oberschicht" und einem Obdachlosen. Um sein gemeines Verhalten gegen letzteren wieder gut zu machen, begibt sich der zehnjährige Hector, anfangs als echter Fiesling gezeichnet, auf die abenteuerliche Jagd nach ein paar Kunsträubern, deren Verbrechen den Obdachlosen in die Schuhe geschoben wird. Rauf macht in dieser Geschichte zweierlei deutlich, so Poppek: Erstens zeigt sie, dass auch ein Unsympath wie Hector mit etwas Unterstützung von den richtigen Menschen seinen "moralischen Kompass" wiederfinden kann. Und zweitens rückt sie ganz nebenbei jene ins Blickfeld, die sonst selten davon erfasst werden, so die beeindruckte Rezensentin.
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