Dieses Buch war für das Frühjahr 1946 gleichzeitig in den USA und Großbritannien angekündigt - und konnte aus politischen Gründen nicht erscheinen. Denn Osmar White, "einer der besten Kriegsreporter des Zweiten Weltkriegs" (Philip Knightley), ließ sich nicht mit dem abspeisen, was die militärische Führung ihn sehen lassen wollte, sondern war auf eigene Faust unterwegs. Er sieht, wie General Pattons 3. US-Armee nach Deutschland vorrückt, den letzten Widerstand mit allen Mitteln brechend. Er ist bei den Befreiern des KZ Buchenwald und beschreibt die Kapitulation der Wehrmachtsführung genauso wie Übergriffe der Sieger gegen die geschlagenen Deutschen. White beobachtet präzise und kühl und schreibt ebenso leidenschaftlich wie mitreißend. Vor allem aber zieht er seine eigenen Schlüsse aus der politischen Lage 1945.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2005
Eine uneingeschränkte Empfehlung: Jens Bisky empfindet "persönliche Erinnerungen" an den Zweiten Weltkrieg und sein Ende, weil sie die offiziellen Frontlinien der Wahrnehmung überschreiten können, als geeignetes Mittel gegen jegliche "Wagenburgmentalität" der gegenseitigen Aufrechnung. Und Osmar Whites Reportage aus dem besiegten Deutschland zeichnet sich nicht nur durch eine unumstößliche Parteinahme für die Sieger, sondern zugleich durch eine kritische Bestandsaufnahme ihres Verhaltens und offenherzige Betrachtungen der Deutschen aus. Der Australier White hatte bereits ein Buch über den Krieg im Pazifik geschrieben - ein ebenso erfahrener wie einfühlsamer Beobachter, der die mentale Verfassung von Siegern und Besiegten einfängt. Und ein Buch voller "Kleinigkeiten, die in den großen Geschichtserzählungen nicht auftauchen, ohne die diese aber unverständlich sind".
Osmar White trug zwar die britische Uniform, als er das (nahezu) besiegte Deutschland durchquerte, doch er war nicht "embedded" - Fritz J. Raddatz weist darauf hin, dass die Bedeutung dieses Buches in der "Unbestechlichkeit" von Whites Urteil zu suchen ist, das die jämmerlichen Verhaltensweisen vieler Deutscher und die grauenhaften Zeugnisse der Nazi- Verbrechen erfasst, aber beispielsweise auch die brutale Besessenheit eines General Patton und die Verlogenheit der amerikanischen Entnazifizierungs-Kampagne. Und so verkörpert seine Reportage nach Ansicht von Raddatz einerseits "besten britischen Reporter-Stil: unsentimental, aber nicht lakonisch; sehr genau beobachtend, aber nicht durch ein Vorurteilsmonokel", ist aber zugleich das Zeugnis eines "nach den Spuren von Recht, Ungerechtigkeit, Unterwürfigkeit und Größenwahn suchenden Schriftstellers", der keinesfalls nur als registrierenden Distanz anwesend war.
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