American Mother
Eine Geschichte von Hass und Vergebung

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498003869
Gebunden, 272 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. 2021 sitzt Diane Foley, Mutter des 2014 durch den IS enthaupteten US-Journalisten James Foley, im Gefängnis einem Briten namens Alexanda Kotey gegenüber, der sich soeben des Kidnappings, der Folter und der Ermordung ihres Sohnes in Syrien schuldig bekannt hat. Mit dieser ungeheuerlichen Begegnung beginnt American Mother, Colum McCann hat Diane Foley für dieses Erinnerungsbuch seine Stimme geliehen. Gemeinsam lassen sie das Leben des Getöteten Revue passieren und setzen einem Mann ein Denkmal, der als Journalist über die Killing Fields dieser Welt berichtete, angetrieben vom Streben nach Wahrheit. Diane Foley will sich nicht im Hass verlieren, will nicht im Schmerz verharren. Sie kämpft für die Angehörigen von Geiseln, gegen die Trägheit der Institutionen und ruht nicht, bis sie am Ende dem Mörder ihres Kindes ein Eingeständnis entlockt hat - und ihm die Hand reicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2025
Ein bewegendes, auch ein wichtiges Buch ist das, findet Rezensentin Melanie Mühl. Geschrieben hat es Diane Foley, Mutter des vom IS vor laufender Kamera ermordeten Journalisten James Foley gemeinsam mit Colum McCann. Unter anderem beschreibt das Buch laut Mühl ein Treffen Diane Foleys mit einem der Mörder ihres Sohnes im Gefängnis. Ein eindringliches, teils auch bizarres Gespräch ist das für Mühl, die anschließend entlang des Buches James Foleys Lebensgeschichte rekapituliert - aufgewachsen in New Hampshire findet er zum Journalismus, um den Ausgeschlossenen eine Stimme zu geben, furchtlos begibt er sich in Krisenregionen und Kriegsgebiete, eine Entführung in Libyen überlebt er, die durch den IS nicht. Auch die unbarmherzige Haltung der amerikanischen Regierung, die nicht mit Geiselnehmern verhandeln will, thematisiert das Buch laut Mühl. Insgesamt ist das ein angesichts grassierender Verschwörungstheorien hochgradig aktuelles Plädoyer für mutigen, der Wahrheit verpflichteten Journalismus, so Mühl.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.01.2025
Rezensentin Kim Kindermann zeigt sich beeindruckt von diesem "Zeitzeugnis über den Kampf der radikalen Islamisten", das Diane Foley zusammen mit dem Schriftsteller Colum McCann geschrieben hat. Sie ist die Mutter von James Foley, einem Journalisten, der in Syrien vom IS entführt wurde - die US-Regierung ging nicht auf eine Verhandlung ein und Foley wurde von Alexanda Kotey ermordet, erfahren wir. Den IS-Terroristen trifft Diane Foley nun im Gefängnis, die "Mischung aus Report und Diktat" ist für Kindermann berührend, insbesondere der Wille der Mutter, zu verstehen, wieso Kotey so gehandelt hat. Die verschiedenen Gefühle zwischen Anspannung, Hoffnung, Demütigung und Erleichterung sind für die Rezensentin abschließend lebensnah, nachvollziehbar und eindrücklich geschildert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2024
Ein eindringliches Buch haben laut Rezensent Andrian Kreye der Schriftsteller Colum McCann und Diane Foley zusammen verfasst. Letztere ist die Mutter James Foleys, der ersten Geisel, die der IS vor laufender Kamera ermordete. Das Buch verbindet mehrere Erzählungen, beschreibt Kreye, zum einen die Geschichte des IS und des Mordes selbst, außerdem eine Analyse der medialen Strategie der Terrororganisation, die sich popkultureller Strategien zu bedienen weiß, und schließlich die Biografie James Foleys. Dieser war, so Kreye, in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen, als Journalist von der Idee beseelt, die Wahrheit hinter den Bildern von Krieg und Unrecht zu entschlüsseln, und zwar insbesondere im Nahen Osten. Schon in Libyen wurde er einmal Opfer einer Geiselnahme, er ließ sich nicht davon abschrecken und landete schließlich in den Fängen des IS. Außerdem schreiben McCann und Foley über die unbarmherzige, teils auch undurchsichtige Strategie der Obama-Regierung, nicht mit Terroristen zu verhandeln, insgesamt ist die Mutter Foleys extrem enttäuscht von der wenig engagierten Administration - selbst Obamas Telefonanruf nach dem Tod ihres Sohnes kam womöglich vom Golfplatz. Die Leiden einer Mutter werden zum Porträt eines Landes, das die Kontrolle über die Welt verliert: so fasst der Rezensent das Buch zusammen.