Zwischen 1942 und 1945 hörte der US-Nachrichtendienst im Geheimlager Fort Hunt bei Washington mehrere Tausend deutsche Kriegsgefangene heimlich ab. Zehntausende Abhörprotokolle blieben erhalten, die erst jetzt, nach über sechzig Jahren, entdeckt wurden. Der Historiker Felix Römer hat diesen Aktenbestand ausgewertet und eröffnet mit seiner Analyse eine völlig neue Sicht auf den Krieg: Unter "Kameraden" erzählen sich die Soldaten ihre Fronterlebnisse, sie prahlen mit "Heldentaten" und schrecklichen Verbrechen. Sie zeigen ihre geheimen Ängste und ihre wahre Haltung zu Hitler. Die dazu überlieferten Biografien machen die Lebensumstände und Handlungsspielräume, das Denken und Handeln des Einzelnen konkret.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2013
Als gut lesbar, überzeugend in der Argumentation, kurz, als empfehlenswert stuft Thomas Schnabel das von Felix Römer verfasste Buch ein. Römers Auswertung von über 100.000 Seiten Protokollen und Gesprächsmitschnitten deutscher Kriegsgefangenen anno 1943/44 im amerikanischen Fort Hunt bietet dem Rezensenten einen hohen Quellenwert. Letzterer besteht für Schnabel vor allem in der Perspektive. Ideologie, Ethos, Kampfmoral, Kameradschaft, Töten und Kriegsverbrechen aus der Sicht von einfachen Soldaten, Offizieren und Unteroffizieren haben Schnabel tief beeindruckt, aber auch bedrückt. Überraschende Befunde, wie der Eindruck des alliierten Bombenkriegs auf die Zeitzeugen, wechseln laut Rezensent mit weniger überraschenden Ergebnissen, wie demjenigen von der Dauerhaftigkeit des Hitler-Mythos. Römers Plädoyer dafür, das Individuum und seine Handlungen auch im Kontext kollektiver Gewalt ernst zu nehmen, kann Schnabel nur unterschreiben.
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