Ottessa Moshfegh

McGlue

Roman
Cover: McGlue
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2016
ISBN 9783954380671
Gebunden, 144 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Anke Caroline Burger. Salem, Massachusetts. Im Jahr des Herrn 1851. Der Seemann McGlue ist schwerer Trinker und sitzt im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Nur kann er sich an nichts erinnern. Was daran liegt, dass sein Schädel gespalten ist, seitdem er vor Monaten aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, um nicht als blinder Passagier entdeckt zu werden. McGlue will sich auch an nichts erinnern, er will nur trinken. In der Nähe von New Haven hatte Johnson ihn einst auf der Straße aufgelesen und so vor dem Erfrieren gerettet. Er war es, der nach seinem Sturz für ihn sorgte, der ihn zur Handelsmarine brachte und mit ihm um die Welt segelte. Warum also sollte McGlue ihn umgebracht haben?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2017

Rezensentin Angela Schader hat mit Ottessa Moshfeghs Debütroman ein bemerkenswertes Buch in der Hand. Auch wenn die Sprachgewalt des saufenden, selbstzerstörerischen Helden ihr etwas unglaubwürdig erscheint, wie rabiat und wuchtig und grimmig verknappt, wie die Autorin ihre Figur im Salem des Jahres 1851 schildert, findet Schader überzeugend. Es geht um Männerfreundschaft und verkappte Homosexualität am Rand der Gesellschaft, im Elend, im Suff, erläutert Schader, um versunkene Gefühle und Lebensekel. Dass Moshfegh bei diesen Themen nicht dem billigen Kitzel erliegt, sondern das Milieu sparsam und einprägsam schildert, hält Schader für groß.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.09.2016

Nicolas Freund findet den Hype um Ottessa Moshfegh berechtigt. Jedenfalls, wenn er ihr Debüt als Maßstab nimmt. Dass der Text, eigentlich ein Roman, nun aus preistaktischen Gründen als Novelle erscheint, ficht ihn nicht an. Die Story um einen Seemann, dem die Erinnerungen durcheinandergeraten, der keinen Ort findet und der möglicherweise ein Mörder ist, aber mit einem Herzen, erinnert ihn an Musil und Faulkner. Auch das Thema Staat und Individuum klingt für Freund in dieser Charakterstudie an. Die bewusst karge Sprache, meint er, wird in der Übersetzung leider mit angestaubten Begriffen verunstaltet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2016

Beeindruckt zeigt sich Rezensentin Sylvia Staude von Otessa Moshfeghs Sprach- und Formgenie, kann sich jedoch trotzdem nicht so ganz von dem gewaltigem Monolog eines autoaggressiven Trinkers mitreißen lassen und bleibt unentschlossen. "McGlue" ist der Name des Sprechers, aus dessen tragischem Leben der Leser nur fetzenweise erfährt, dass er im Bauch eines Schiffes sitzt, gefangen, weil man ihm vorwirft, seinen besten Freund ermordet zu haben. Ein Unfall und der Alkohol haben McGlues Gedächtnis durcheinander gewirbelt, was davon übrig ist - ein Flickenteppich aus schmerzlichen Erinnerungen, Träumen und Wahnvorstellungen - ein "dunkler Mahlstrom", den Staude allerdings nur von außen, mit einigem Abstand zu sehen und spüren bekommt.
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