Es wäre verkehrt, die in diesem Band vereinigten drei literarischen Skizzen einfach als Erinnerungen zu bezeichnen. Es sind "literarisch verfremdete" Erinnerungen, hervorgegangenen aus der Suche nach der Wahrheit hinter dem, was geschehen ist. So ist denn auch nicht alles, was erzählt wird, eins zu eins umsetzbar. Ereignisse und Orte sind nicht immer geographisch festzulegen und chronologisch einzuordnen. Personen werden zu Typen: Josef in der ersten Skizze, der Archivar in der dritten. Vieles wurde nicht so formuliert und gesprochen, wie es hier wiedergegeben ist. Und doch ist es wahr. Die hier vereinigten drei Skizzen sind zu verschiedener Zeit entstanden. Was sie verbindet, ist das Nachdenken über das Leben des Autors, der in den Skizzen den Namen Ludwig trägt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2015
Als überzeugenden literarischen Einstand würdigt Rezensent Rudolf Neumaier die biografischen Aufzeichnungen des achtzigjährigen Historikers Otto Weiß. Der Kritiker reist mit dem hier unter dem Pseudonym "Ludwig" auftretenden Weiß zunächst ins 19. Jahrhundert zu seinen Ahnen in der süddeutschen Provinz, lernt die dank einer leidenschaftlichen Affäre aus ihrer Vernunftehe ausbrechende Mutter kennen und begleitet den Autor von seinen Erfahrungen als Novize im Kloster bis zu seinem Leben als alleinerziehender verwitweter Vater und eitler Gelehrter. Abgesehen von einigen überflüssigen Kunstgriffen kann Neumaier dieses persönliche und durchaus humorvolle Buch nicht zuletzt dank der Insider-Geschichten aus dem Kloster und dem erfrischenden Blick auf die katholische Theologie nur unbedingt empfehlen.
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