Aus dem Türkischen von Monika Demirel. Nach Jahren des Exils kehrt der Kunsthistoriker Teo in seine Heimat Istanbul zurück. Er sucht das geheimnisumwobene Judasbaumtor, Teil der alten byzantinischen Stadtmauer. Doch schon bald bewegt er sich auf den Spuren seiner eigenen Geschichte, die ebenso vielschichtig ist wie die der Stadt. Durch einen Zufall begegnen ihm Derin, Ülkü und Kerem Ali. Auch sie gehen Geheimnissen aus ihrer Vergangenheit nach: Derin forscht nach dem Mörder ihres Vaters; Ülkü stellt sich einer lange verdrängten Schuld; und Kerem Ali hinterfragt alles, woran er bisher glaubte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2012
Oya Baydars Roman "Das Judasbaumtor" ist ein vierfaches Porträt Istanbuls und zugleich eine aus vier Perspektiven geschilderte und damit "radikal" subjektive Auseinandersetzung mit der revolutionären Linken und dem türkischen Staat, meint ein sichtlich beeindruckter Martin Zähringer. Er ist gefesselt von der lebensnahen Figurenschilderung des Griechisch-Türken Teo, des alevitischen Aktivisten Kerem Ali, Derin, der Tochter eines ermordeten Diplomaten, und der nach dem Ende der Sowjetunion zurückgekehrten Journalistin Ülkü. Richtiggehend dokumentarisch aber wird der Roman wenn er in der blutigen Niederschlagung des Gefangenenhungerstreiks im Jahr 2000, mit der gegen die Einführung der Isolationshaft protestiert wurde, kulminiert, so der Rezensent. Das lässt den Roman vielleicht ein wenig zwischen Fiktion und Dokumentation schlingern, was seiner "Wahrheit" aber nicht schadet, sogar eher im Gegenteil, findet Zähringer.
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