Aus dem Französischen von Beate Thill. Der Held des Romans strandet auf einer einsamen Insel und verbringt die erste Nacht voller Panik auf einem Baum. Glücklicherweise kann er ein in der Nähe gescheitertes Schiff plündern, um sich mit den unverzichtbaren Dingen, wie etwa Waffen und Schießpulver, die Grundlage einer Zivilisation zu schaffen. Er ist ein Robinson. Der Gestrandete ist seit Daniel Defoe ein Topos der abendländischen Kulturgeschichte. Auch Patrick Chamoiseaus Erzähler kultiviert anfangs die Insel zu seinem Reich, doch stellen sich seine Zäune und Amtshandlungen bald als lächerliche Illusionen heraus. Er durchlebt immer wieder andere Zyklen des Begreifens: So verschmilzt er symbiotisch mit der Insel und ihrer Tier- und Pflanzenwelt, dann tritt er ihr im Kriegszustand entgegen, später dann mit Gleichgültigkeit, zuletzt als Künstler.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2014
Irene Binal erkennt in Patrick Chamoiseaus Robinsonade ein philosophisches Experiment um die Frage nach der Identität. Die Rezensentin ist fasziniert, wie der Autor das Inselabenteuer seines Helden traumartig durch Urwälder und über Strände mäandernd gestaltet und dabei das Semikolon zur Kunstform erhebt. "Der Strichpunkt schmuggelt Energie ein. Das habe ich entdeckt", zitiert Binal dazu aus dem Anhang den Autor. Der Gedankenstrom als Reise durchs Innere eines Schiffbrüchigen ist für Binal ein reizvolles intellektuelles Spiel, dessen mitunter rasante Doppelbödigkeit sie genießt und dessen Anspielungen auf Defoe, Faulkner und die griechischen Philosophen sie gerne nachgeht.
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