"Wir legen in diesem Buch Wert auf Ausdrucksformen des Islams, die nicht die Norm, sondern die Abweichung darstellen." So beginnt Meddeb sein Buch. Seine Gegenpredigten, die alles andere sein wollen als "Predigten", entwickelte er aus Rundfunkbeiträgen, die der streitbare Romancier und Philosoph zwischen 2003 und 2006 für Radio Mediterranee in Tanger verfasste. Meddeb sieht das Religiöse im Alltag, er entschleiert Mythen, geht die Tabus an. Fasziniert folgt der Leser diesen ebenso aufschlussreichen wie spannenden Stücken, die Kultur, Lebenskunst und Politik vereinen zu dem Mosaik einer Weltreligion, die ihre befreienden Potenzen noch nicht wirklich entdeckt zu haben scheint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2008
Ludwig Ammann begrüßt überschwänglich die deutsche Fassung dieser "115 Gegenpredigten" des tunesisch-französischen Islamkritikers Abdelwahab Meddeb, die zwischen 2003 und 2006 als Radiobeiträge entstanden sind, und preist sie als vorbildlich "erzieherisch" und dabei sehr klarsichtig. Der Autor wurde durch die in seinem Buch "Die Krankheit des Islam" geäußerte scharfe Kritik am Islam der Gegenwart weithin bekannt, und auch in seinen Radioessays greift er umstrittene Themen auf. So plädiert er dafür, sich von dem im Koran festgeschriebenen patriarchalischen Geschlechterverhältnis zu lösen und bestärkt Frauen mit Hinweis auf den sufischen Denker des 13. Jahrhunderts, Ibn Arabi, als Vorbeterinnen in Erscheinung zu treten, erklärt der Rezensent. Meddeb wolle weder den Islam insgesamt "über Bord werfen", noch sei er ein allzu zögerlicher Reformer, stellt Ammann zufrieden fest, der die "konstruktiven" Veränderungsvorschläge für einen modernen Islam als herausragend lobt. Einen wie Meddeb brauche es, um den Islam aus seiner "kindischen Trotzstarre" zu wecken, wobei ihm sein Hintergrund als "überzeugter Kosmopolit und Maghrebiner", der sowohl in der abendländischen wie der morgenländischen Geistesgeschichte zuhause ist, zugute komme, so der Rezensent bewundernd.
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