Obwohl es sich um den wohl einflussreichsten Soziologen der (bundes-)deutschen Nachkriegszeit handelt, ist es um Helmut Schelsky (1912-1984) und sein Werk still geworden. Zwar sind seine öffentlichkeitswirksamen Deutungsangebote - von der "skeptischen Generation" über die "nivellierte Mittelstandsgesellschaft" bis hin zum "Sachzwang" - heute noch weithin geläufig. Doch letztlich verblassten hinter der hohen Suggestivität dieser Schlagworte die genuin soziologischen Beiträge mehr und mehr. Das vorliegende Buch gibt erstmals eine kritische Einleitung in das sozialwissenschaftliche Gesamtwerk Schelskys und zeigt dabei, dass dessen damalige Suche nach Wirklichkeit eine Vielzahl an überraschend aktualisierungsfähigen Überlegungen enthält. Es richtet sich sowohl an Studierende wie an Wissenschaftler, die aus fachgeschichtlichem, systematischem oder gegenwartsdiagnostischem Blickwinkel an einer Neubewertung der Soziologie Schelskys interessiert sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2015
Patrick Wöhrle eilt zur späten Ehrenrettung des Soziologen Helmut Schelsky, berichtet Alexander Gallus. Indem Schelsky in den bewegten Sechzigerjahren die "Sachzwänge" in die Soziologie einführte, hatte er sich den damals unbeliebten Ruf eines Technokraten und Konservativen eingefangen, erklärt der Rezensent. Wöhrle gelingt es mit seinen klugen und jargonfreien Lektüren tatsächlich, Schelsky aus dieser Ecke herauszuholen und Interesse für seine Arbeiten zu wecken, lobt Gallus. Etwas schade findet der Rezensent allerdings, dass Schelsky für Wöhrle nur in den Nachkriegsjahren von Interesse zu sein scheint, was einerseits dessen philosophische Arbeiten zu kurz kommen und andererseits den schnellen Wandel Schelskys vom bekennenden Nationalsozialisten zum braven Demokraten etwas unterbelichtet lässt, so Gallus.
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