Aus dem Amerikanischen von Yvonn Badal. Michel Leiris und Claude Lévi-Strauss haben mit "Phantom Afrika" und "Traurige Tropen" als Erste die Herausforderungen an Ethnologen und Reisende thematisiert, die sich für längere Zeit bei einem ihnen fremden Volk aufhalten: Menschen aufsuchen, ihre Sprache und Gewohnheiten, ihr Denken, ihre Gesellschaft und Glaubenssysteme studieren, ohne dazu eingeladen worden zu sein. Was ist das Fremde? Der US-amerikanische Anthropologe Paul Rabinow setzt diese Denk- und Forschertradition fort. Er ist im deutschen Raum bislang mit Arbeiten zu Fragen von Identität, Rationalität, Aufklärung, Moderne, Fremde und Vernunft bekannt. Seine Erstlingsarbeit ist ein Bericht über seine ethnologische Feldforschung als junger Mann im Marokko der späten 1960er Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2020
Rezensent Bernd Stiegler liest Paul Rabinows Essay von 1977 als Türöffner zu einer "Anthropologie der Zeitgenossenschaft". Dass Kultur Interpretation ist, macht ihm der Autor auf elegante, hochreflexive Art sichtbar. Rabinows Feldforschungen ab Mai '68 in Marokko bestechen laut Stiegler durch ihr selbstreflexives Niveau, die den Autor zum Forscher und zugleich zum Beobachter und ohne wissenschaftlichen Jargon auskommenden Kommentator seiner selbst macht. Das Handwerk des Anthropologen mit all seinen Frustrationen, vom Erlernen der fremden Sprache bis zur Erkenntnis, dass zwischen Forscher und Informant ein Abgrund klafft, vermag der Autor Stiegler besser verständlich zu machen.
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