Paul van Ostaijen

Besetzte Stadt

Cover: Besetzte Stadt
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2024
ISBN 9783884237106
Broschiert, 159 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Flämischen von Anna Eble. Original-Holzschnitte und Zeichnungen von Oscar Jespers. Mit "BUMM!", einem Paukenschlag, fiel Antwerpen im Oktober 1914 der Übermacht der deutschen Geschütze zum Opfer. Die Stadt wurde eingenommen und blieb vier Jahre lang besetzt. Der flämische Dichter Paul van Ostaijen verarbeitete diese überwältigende Erfahrung in dem Gedichtband "Besetzte Stadt" (1921), dessen Formenreichtum aus einer Welt erwächst, die durch den Krieg tief erschüttert ist. Dieses umfangreichste literarische Experiment der internationalen Avantgarde wurde von Van Ostaijen mit einer Typografie bedacht, die die Narben der Zeit trägt. Er war davon überzeugt, dass eine Welt, die in Schutt und Asche liegt, nur mittels einer zertrümmerten Sprache beschrieben werden kann. Mit diesem Buch erscheint die erste Übersetzung des gesamten Gedichtbands im Original-Layout.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024

Die ganze Welt versuchte der flämische Dichter Paul van Ostaijen in dieses 1920 erschienene Buch zu packen, erläutert Rezensent Tobias Lehmkuhl, in ein Buch, das als Gedichtband nur unzureichend beschrieben ist. Denn hier ist alles wild und vielförmig, erfahren wir, die Gedichte sind typographisch explosiv in Szene gesetzt, mal quer, mal gefettet, dann wieder schauen sie aus wie Werbenanzeigen, mitunter tanzen die Buchstaben übers Papier. Auch inhaltlich geht's wild zu, denn der von Antwerpen nach Berlin geflohene Autor ist ein typischer Vertreter der Avantgarde jener Zeit, die sich europäisch und nicht national verstand. In den Texten trifft amerikanischer Jazz auf Tango-Melodien, die Kolonialkriege der Zeit spielen eine Rolle, außerdem Bordelle und Ölnüsse, Worte wie "Kanonenkoitus" und "Schrapnellmenuett" fallen und manchmal geht es gar in Richtung Weltall. Anna Eble hat das alles wunderbar übersetzt, lobt Lehmkuhl, der sich tief beeindruckt zeigt von diesem Zeugnis einer vergangenen, aber doch sehr modernen Avantgarde.

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