feuer ist, aus der ferne betrachtet, eine unstete, eitle erscheinung - wie etwa die Hirnforschung, wie etwa der ewig vor sich hinkränkelnde schmorint, ein kokolores, ein Hysteriker, ein Vasall ohne auftrag und Namen, wie die erdbevölkerung, wie das Verlangen nach Pulswärme und Weh und Nicht-sein. aus der Nähe betrachtet, ist feuer nichts anderes als ein abzweig des Wassers, dessen anblick die menschen bis zur unerträglichkeit traurig macht - denkt nur an renoirs späte, purpurne akte, aufgepumpt, an der eigenen Überblutung erstickend, denkt nur an die Telephonnummer, die ihr mehr als ein halbes Leben lang, mit euch herumgetragen und niemals benutzt habt, denkt daran: Zum Wasser will alles Wasser will weg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2019
Rezensent Jan Volker Röhnert hat schwer zu kauen an Paulus Böhmers unabgeschlossenem Langgedicht aus dem Nachlass des Dichters. Die kindliche Verwunderung angesichts der Welt, die er aus Böhmers Werk kennt, entdeckt er auch hier wieder, das Beschwörende, das Kreisen um Entstehen und Vergehen, um Ursprung und Herkunft (aus dem Hessischen, nahe der Ohm). Insofern schließt der Band an seine Vorgänger an, meint Röhnert. Außergewöhnlich ist diese autobiografische Textur für ihn durch die vergnügliche, wenngleich für den Leser auch anstrengende Lust an Abschweifung und Assoziation, die Traum und Wirklichkeit durcheinanderwirbelt. "Verwildert" und "monströs" nennt Röhnert diese Poesie liebevoll.
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