Aus dem Schwedischen von Alken Bruns. Per Olov Enquist beschreibt die entscheidenden Szenen zwischen 1936 und 1953 im Hause des norwegischen Nobelpreisträgers Knut Hamsun, der sich in den Dienst der deutschen Besatzer stellte. Im Mittelpunkt dieser Erzählung, die auf einem Drehbuch basiert, steht nicht die Schuldfrage, sondern der "Todestanz einer Ehe".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.01.2005
Reichen die sprachlichen Umrisse des Drehbuchs, um im Kopf des Lesers einen Film zu projizieren? In diesem Falle wohl nicht, meint Hannelore Schlaffer - dazu sei die Skizze zu grob, die Per Olov Enquist über die letzte Lebensphase von Knut Hamsun angefertigt hat, als Vorlage zur Verfilmung. In die Zeit fallen Hamsuns Bekenntnis zu den deutschen Nazis, seine Einlieferung in die Psychiatrie, der Prozess gegen ihn, den er reuevoll selbst initiierte. Außerdem werden thematisiert: die Probleme von Gattin und Kindern mit dem herrschsüchtigen Vater, "die uralte Tragikomödie des alten Mannes mit der jungen Frau" und noch einiges mehr. Zuviel findet die Rezensentin, die das Ergebnis als einen "Katalog von Romanthemen" bezeichnet. Doch was fehlt, ist die Erzählung, die den Projektor im Kopf startet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2004
Soziale Analysen, Liebes- und Sittengeschichten sind in den Büchern des schwedischen Schriftstellers Per Olov Enquist versammelt, berichtet Rezensent Aldo Keel. Der Autor, ein "grüblerischer Linker", irgendwo angesiedelt zwischen "Aufklärung und Pietismus", suche in seinem Werk stets die Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Menschen und des Lebens. Doch mit seiner Filmerzählung über den Nobelpreisträger Knut Hamsun, die nun auch auf deutsch erschienen ist, liegt er mit seiner Antwort falsch, findet der Rezensent. Enquist verwandelte den Literaturerneuerer, der mit deutschen Okkupanten in Norwegen kollaborierte, in einen Intellektuellen, stilisiere den Landesverrat zur "Tragödie eines einsamen Greises" und relativiere dessen Verantwortung. Der Kritiker hält Enquist besonders vor, wichtige Fakten aus dem Leben Hamsuns völlig ignoriert zu haben. Kein Wort falle über seine "höhnische Polemik" gegen Carl von Ossietzky, der zu dieser Zeit im Konzentrationslager inhaftiert war. Ein Buch, das durch Harald Naess' Edition der Hamsun-Briefe zum Einen völlig "überholt" ist, zum Anderen ein Politstück zum "Ehedrama" degradiert, schließt der Rezensent streng.
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