Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann. In Roy Jacobsens neuem Roman "Die Unwürdigen" folgen wir einer Gruppe von Jungen und Mädchen aus einem Wohnhaus am östlichen Rand von Oslo während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Die Jugendlichen leben in Armut und schlagen sich durch, indem sie schwindeln, stehlen wie die Raben, Dokumente fälschen und umfangreiche Einbrüche begehen. Sie schrecken auch nicht davor zurück, die Besatzer zu beklauen und auszunutzen. Dies ist ein Roman über das Überleben in Kriegszeiten, über eine Unterschicht, die ohnehin immer zu kämpfen hat und im Krieg nur ihr eigenes Leben, aber keine Besitztümer, keine Rechte, kein eigenes Land zu verteidigen hat. Über die verschiedenen Motive, aus denen Widerstand entsteht, und darüber, dass auch die Befreiung nicht alle befreit, über das Überleben unter Extrembedingungen und eine verschworene Gemeinschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.09.2023
Rezensentin Katharina Granzin liest Roy Jacobsens Geschichte einer Bande von Teenagern im von den Nazis besetzten Oslo zur Zeit des "Dritten Reichs" mit Spannung. Der Autor weiß, Vergangenheit plastisch darzustellen, und er gestaltet die Perspektive der Jugendlichen, die sich mit halblegalen Tricks über Wasser halten, überzeugend, findet Granzin. Ein reiches Figurenarsenal und ein gewisser Mangel an psychologischer Feinzeichnung erschweren die Übersicht, meint Granzin. Doch das passt ganz gut zum "klandestinen" Charakter der abgebildeten Alltagswirklichkeit, findet sie.
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