Peter Gay

Das Zeitalter des Doktor Arthur Schnitzler

Innenansichten des 19. Jahrhunderts
Cover: Das Zeitalter des Doktor Arthur Schnitzler
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783100259103
Gebunden, 381 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Peter Gay bezeichnet das 19. Jahrhundert als das Jahrhundert Arthur Schnitzlers. Anhand der Stationen in Schnitzlers Leben zeichnet Peter Gay die Biografie einer Epoche. Es war ein Jahrhundert der Gegensätze, zwischen der Welt von gestern und der Welt von heute: Revolution und Reaktion, Wissenschaft und Aberglaube, freie Sexualität und Prüderie. Das Leben des Dr Arthur Schnitzlers ist exemplarisch für diese Zeit der Umbrüche. Wenige Autoren haben so penibel über ihr Innenleben Buch geführt wie Arthur Schnitzler. Zu Lebzeiten publikumsscheu in privaten Dingen, vertraute er seinen Tagebüchern intimste Details seiner Seelenzustände an. Das Portrait einer vergangenen Epoche, das unsere Gegenwart wesentlich mitgeprägt hat - das Fin de siecle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2003

Zweifel hat der Rezensent Michael Mayer an der Notwendigkeit dieses Buches - und Peter Gays offensichtliches Bemühen, diese von vorneherein zu zerstreuen, erscheinen ihm erst recht verdächtig. Das Problem mit dieser Schnitzler-Biografie: Neues habe der Autor, der nicht nur Freud, sondern das ganze viktorianische Zeitalter mit umfangreichsten Veröffentlichungen dargestellt und in seiner Darstellung überzeugend rehabilitiert hat, nun kaum mehr mitzuteilen. Das bürgerliche Zeitalter wird, so Mayer, ein weiteres Mal vom Ruch des Spießertums befreit, am Beispiel Schnitzler nun - das "Gefühl der Redundanz" aber ist der Rezensent nicht losgeworden. Lesenswert ist das ganze zuletzt, meint er, vor allem der bewährten Tugenden des Verfassers wegen. Dieses Buch ist, wie seine anderen, "gut geschrieben" und voller "Pointen und Apercus".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Peter Gays "Untersuchungen zu Sexualität, Liebe, Aggression, der Innenwelt und dem bürgerlichen Kunstgeschmack" fügen sich für den Rezensenten Paul Jandl zu einem "beeindruckenden Panorama" des 19. Jahrhunderts. Gay, so Jandl, geht es darum, dieses als puritanisch verschrieene Jahrhundert zu verteidigen. Dazu biete Gay nicht nur eine "erstaunliche" Materialfülle, sondern auch eine länderübergreifende Sicht, die bis über den Atlantik reiche. Besonders gefallen hat Jandl, dass Gay sich Arthur Schnitzler zum "Begleiter" durch das Jahrhundert gewählt hat. Schnitzler, so Jandl, stehe wie ein Einlass gewährender "Portier" an der Schwelle eines jeden Kapitels, was zwar "manchmal ganz erhellend, nicht jedoch immer zwingend" sei. Das Jahr 1914, das den Höhepunkt der psychoanalytischen Laufbahn Freuds darstellt, mache Gay, dessen Denken stark von Freud beeinflusst sei, zum "Fluchtpunkt" des 19. Jahrhunderts. Das Freudsche Denken sei wohl auch das "Bindeglied" zwischen allen, von Gay "nicht immer ganz deutlich in Beziehung gesetzten Themen" des Buches. Besonders mit dem Klischee des Puritanismus als Abstinenz wolle Gay aufräumen, denn schon das viktorianische Zeitalter habe "die Lust entdeckt" und "darüber gesprochen", und diese Sicht, bemerkt Jandl, macht es dem 20. Jahrhundert "recht ähnlich". Nicht Abstinenz, sondern Mäßigung und Sublimation gehören für Peter Gay zu den "wichtigsten Merkmalen des 19. Jahrhunderts", so Jandl abschließend.

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