Wien nach der Jahrhundertwende: Etwa tausend Wiener Familien, die Reichsten der Reichen, bilden die Spitze der Gesellschaft. Es ist eine exklusive Welt, die einen mondänen Lebensstil pflegt. Man trifft sich am Tennisplatz und beim Derby im Prater, diniert im Sacher und verbringt den Winter in Abbazia. Die Herren tragen feinen Zwirn, ihre eleganten Frauen Mode aus Paris. Sie heißen Rothschild, Wittgenstein oder Krupp, leiten Banken, handeln mit Holz und Kohle oder genießen als Rentiers ihre enormen Einkünfte.Reichtum, so zeigt Roman Sandgruber in seinem großartigen Porträt dieser Wiener Eliten, wurde seither nie mehr so unverhüllt zur Schau gestellt wie um 1910: mit riesigen Villen, vielen Dienstboten, großen Autos, luxuriösen Reisen. Gleichzeitig war die Einkommensungleichheit so extrem wie nie. Eine Traumzeit für Millionäre und eine rauschhafte Zeit vor dem Untergang der Habsburgermonarchie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.09.2022
Zur feinen Gesellschaft Wiens um 1910, die er in diesem Buch beschreibt, zählt der Historiker Roman Sandgruber nur Personen mit einem Einkommen von mehr als 100.000 Kronen, erzählt Rezensentin Andrea Roedig. Davon gabs im Wien des Fin de Siècle mehr als in jedem anderen Land Europas, erfahren wir. Bankiers, Industrielle, Baulöwen und Hoteliers gehörten dazu. Zum Adel gehörten allerdings nur zehn Prozent, die auf die anderen, oft Juden, herabsahen, so Roedig. Das Buch mit seinen Kurzporträts liest sich für sie streckenweise sehr amüsant, dass 17 der Millionäre in Konzentrationslagern ermordet wurden, zeigt ihr aber auch, dass Geld nicht immer hilft.
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