Mit Zeichnungen von Peter Handke. Hefte, Bücher, Blöcke, die in Jacken- oder Hosentasche passen, sind Peter Handkes ständigen Begleiter. Aufgezeichnet werden Selbstgespräche und poetische Reflexionen, Einfälle und Ideen für literarische Projekte, vor allem aber Gesehenes, Gelesenes und Gehörtes. Anlässlich des 80. Geburtstags des Nobelpreisträgers wird nun eines dieser Notizbücher erstmals vollständig in einer Transkription der Handschrift veröffentlicht. Es dokumentiert vor allem eine ausgedehnte Reise, die Peter Handke im Sommer 1978 unternahm und die ihn von seiner Herkunftsgegend Kärnten nach Slowenien, in den Karst und weiter nach Norditalien führte.
Rezensent Stephan Wackwitz findet das von Ulrich von Bülow und Bernhard Fetz herausgegebene Tage- beziehungsweise Notizbuch von Peter Handke, verfasst während seiner Arbeit an der Erzählung "Langsame Heimkehr" von 1979, aufschlussreich in literarischer wie politischer Hinsicht. Denn die von den beiden Leitern der Literaturarchive in Marbach und Wien "philologisch präzise" editierte Ausgabe führt dem Kritiker vor Augen, wie sich das Schreiben Handkes um 1980 veränderte: weg vom Sprachavantgardismus hin zu einer Klassizität, zu einer "Dingmystik" und zu einer "ästhetisch säkularisierte Durchgottungsvermutung" - unzähligen religiösen Motiven und Begriffen begegnet der Kritiker in den Aufzeichnungen. Diese setzen sich zudem in einer Art Raummystik (Naturraum vs. Menschenraum) fort, die in der Erfassung und "Empfindung" von Räumlichkeit Erlösung sucht, wie der Kritiker beschreibt. Und mit dieser Raummystik erklärt er sich auch die "überaus fragwürdige" Position Handkes zu den Jugoslawienkriegen nach 1990: Jugoslawien sei in dieser Logik statt als politischer Raum als ein sakraler von Handke im Grunde missverstanden worden.
Vier Monate im Sommer 1978: Eine Zeit, in der Peter Handke mehr denn je zweifelte, um dann zu neuen Ufern aufzubrechen. Das erhellt für Rezensent Helmut Böttiger das kleine Notizbuch - erstes seiner Art: Nicht nur, weil es teils als Faksimile gedruckt ist, sondern für Handke-Kenner auch darüber hinaus ein wertvolles Dokument sei. Denn nun lasse sich konkret nachvollziehen, wie der Literaturnobelpreisträger vom Pop ins klassisch Epische fand, schreibt Böttiger und ist fast angerührt, nun den Beweis für Handkes "schreibende Existenz" in Händen zu halten, weil er in den Notizen die spätere Prosa wiedererkennt und Handke bei der Entstehung seiner Schreibformen zusehen kann.
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