Peter Henning

Ein deutscher Sommer

Roman
Cover: Ein deutscher Sommer
Aufbau Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783351035426
Gebunden, 607 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Am 16. August 1988 überfallen zwei Kleinkriminelle die Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck und lösen damit die wohl spektakulärste Geiselnahme der deutschen Nachkriegsgeschichte aus. Verfolgt von einer Journalistenhorde, fliehen sie brandschatzend durchs Land. Vor laufenden Kameras töten sie, liefern sich Schießereien mit der Polizei und werden in Köln von heute namhaften Journalisten interviewt, während die Geiseln in Lebensgefahr schweben ein Sündenfall des Journalismus und ein Offenbarungseid der Polizei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2013

Die Fallhöhe haben sich Autor und Roman selbst zuzuschreiben, findet Christian Metz, der sich kaum wundert, dass die hochgesteckten Ansprüche eines historischen Romans mit der Geschichte der Gladbecker Geiselnahme nicht erreicht werden. Wenn der Autor mit seiner Montagetechnik die Figurenperspektiven und Geschehen ziemlich arglos aneinanderreiht, auch noch mehr als einmal danebengreift und unerträglich zynisch wird, wird Metz ärgerlich. Und dass Peter Henning den Tätern viel Raum, den Opfern jedoch kaum eine Stimme zugesteht, findet er schlichtweg geschmacklos.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.08.2013

Harald Jähner gruselt es immer noch, wenn er an jene Augusttage vor 25 Jahren zurückdenkt, an denen sich der deutsche Journalismus die Hände schmutzig machte: Drei Tage lang ergötzten sich die Medien an den beiden Bankräubern und Entführern Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowskis, die ihre Geiseln durch die halbe Republik kutschierten, die Journalisten immer im Schlepptau, und schließlich ihre Geisel Silke Bischoff erschossen, und "einen 15-jährigen Italiener" (der leider keinen Namen bekommt). Jähner liest das alles bei Peter Henning mit Entsetzen nach und verzeiht ihm manch einen geschmacklosen Aussetzer, schon weil er gegenüber der erschossenen Silke Bischoff so diskret bleibt. Jähner betont auch, dass der Autor gut recherchiert habe. Allerdings verät er nicht, was genau diesen Roman nun zu einem "deutschen Psychogramm" mache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2013

Im Vergleich mit Nicolas Borns "Die Fälschung" findet Maike Albath das Buch von Peter Henning bloß kläglich. Nicht nur sprachlich kommt Henning laut Albath nicht an sein Vorbild heran, auch die Konstruktion des Plots um das Gladbecker Geiseldrama erscheint der Rezensentin allzu banal. Darüber hinaus erkennt sie, wie sehr es dem Autor an Distanz zu seinem Stoff mangelt. Ein Autor, lässt sie uns wissen, sollte sich nicht derart mitreißen lassen, dass er dauernd in die Klischeefalle tappt. Das scheint für Peter Henning ganz ähnlich zu gelten wie für die Medien im Fall Gladbeck.
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