Ich dachte, bis dahin bin ich tot
Meine Zeit als RAF-Terroristin und mein Leben danach

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462006902
Gebunden, 384 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Mit 20 Abbildungen. Mitarbeit: André Groenewoud. Die RAF ist ein deutsches Trauma. Viele Verbrechen der Roten Armee Fraktion aus den 70er- bis 90er-Jahren sind bis heute unaufgeklärt, noch immer ranken sich Mythen um die Mitglieder, die die Bundesrepublik terrorisierten. Silke Maier-Witt gibt in diesem Buch einzigartige Einblicke in das Innere der Gruppe.Am 7. April 1977 - dem Tag des Mordes an Siegfried Buback - schloss Silke Maier-Witt sich der RAF an und tauchte unter. Fortan war sie eine der meistgesuchten Terroristinnen der Bundesrepublik. Während des "Deutschen Herbstes" spähte sie die Fahrtstrecke von Hanns Martin Schleyer aus, leistete logistische Hilfe und gehörte dem innersten Kreis der RAF an, der in Köln den Arbeitgeberpräsidenten entführte und dessen vier Begleiter tötete. Nach einem Banküberfall der RAF, bei dem eine Unbeteiligte erschossen wurde, übte sie Kritik - und stieg aus der Terrorgruppe aus. Mithilfe der Staatssicherheit tauchte sie in der DDR unter und begann ein neues, bürgerliches Leben - das mit ihrer Verhaftung nach dem Fall der Mauer ein jähes Ende fand. In ihrem Buch blickt Silke Maier-Witt auf ihr Leben zurück - von der Kindheit in Hamburg über ihre Zeit in der RAF, ihrem Leben mit neuer Identität in der DDR, die Haft bis hin zu ihrem Neustart als ausgebildete Friedensfachkraft. Vor allem aber ergründet sie, wie es dazu kam, dass sie sich als junge Frau der Roten Armee Fraktion anschloss, und warum sie das Töten als Mittel zum Erreichen der RAF-Ziele hinnahm.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2025
Leicht zu lesen ist es nicht immer, was die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt hier über ihr Leben berichtet, so Rezensentin Susanne Kusicke, eine lohnende Lektüre ist das Buch dennoch. Maier-Witt hatte eine unglückliche Kindheit, was sie selbst als Grund für ihre Radikalisierung anführt, ihre Mutter starb früh, erfahren wir. Sie war dann als Mitglied der zweiten Generation der RAF an der Schleyer-Entführung und -Ermordung beteiligt, bevor sie sich 1979 von der RAF abwendete und in der DDR untertauchte. Interessant sind gerade die Passagen über die DDR, findet Kusicke, in ihnen stellt die Autorin dar, wie sie sich der Stasi andiente und ideologisch gefestigter erscheinen wollte als alle Kollegen. Man nimmt Maier-Witt ihre Wandlung und ihre Reue ihre Taten betreffend im Großen und Ganzen schon ab, meint die Rezensentin weiterhin - allein, von den RAF-Opfern und deren Angehörigen ist erst spät im Buch die Rede. Immerhin, schließt Kusicke, ist Maier-Witt die einzige prominente RAFlerin, die sich deutlich von ihrer Vergangenheit distanziert und auch um Entschuldigung bittet. Gleichwohl bleibt auch dieses Erinnerungsbuch nicht frei von Ambivalenzen, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.03.2025
Autobiografien sind ein heikles Genre, Memoiren von Terroristen erst recht. Aber Rezensent Andreas Fanizadeh liest Silke Maier-Witts "Ich dachte, ich bin tot" mit großem Interesse - immerhin scheint ihm die Autorin Aufschluss über diese inzwischen ziemlich versunkene Zeit der Schleyer-Entführung zu bieten. Der Rezensent attestiert Maier-Witt auch, dass sie auf jede Selbstüberhöhung verzichtet. Als Hintergrund ihrer Radikalisierung nennt sie selbst den Nazi-Hintergrund ihres Vaters und der frühen Bundesrepublik überhaupt - aber Fanizadeh verschweigt nicht, dass sich diese Behauptung durch den krass antisemitischen Charakter der RAF-Taten gleich wieder relativiert. Zur Frage, ob Maier-Witt Täterwissen für sich behält, äußert sich der Rezensent nicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2025
Rezensent Thomas Ribi erfährt nicht viel Neues aus den Memoiren der ehemaligen RAFlerin Silke Maier-Witt. Illusionslos, meint er, zieht die Autorin Bilanz, über ihre Zeit im Untergrund, später in der DDR, dann in Haft, und versucht zu ergründen, was sie zum Terror führte. So richtig zufrieden ist Ribi nicht mit den Antworten. Detaillierte und schwammige Schilderungen, etwa über die Schleyer-Entführung, wechseln einander ab, meint er. Manchmal erschauert er über den aus Dokumenten sprechenden Zynismus der RAF, aber auch über die Teilnahmslosigkeit der Autorin im Rückblick. Mehr als "Bruchstücke" einer Erklärung für den Eintritt in die RAF bietet das Buch nicht, bedauert er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 14.02.2025
Rezensent Martin Hubert kann mit dem Buch der Ex-RAFlerin Silke Maier-Witt, das sie zusammen mit André Groenewoud verfasst hat, etwas anfangen. Den Versuch, eigenes Handeln retrospektiv zu verstehen und die Reuebekundungen der Autorin findet er glaubhaft. Motive, Ängste, blinde Flecken in ihrer Biografie macht das Buch Hubert begreiflich. Dass die Autorin nicht rechtfertigen will, sondern verstehen, scheint ihm authentisch. Maier-Witts Selbstbefragungen zu ihrer Familiengeschichte, ihrer Empörung über die Haftbedingungen der Baader-Meinhof-Gruppe, ihrem Untertauchen in der DDR und zu ihrer Haft sind für Hubert auch Erkundungen der Zeitgeschichte. Manches im Band erscheint ihm "irritierend romantisch" bzw. schwer verdaulich. Doch die Psychologie und die Ambivalenzen eines RAF-Mitglieds stellt das Buch gut nachvollziehbar dar, findet er.