Am Anfang des Romans erwägt ein Mann mittleren Alters, in einem kleinen hessischen Dorf ein Haus zu kaufen. Was ihn zögern lässt, ist die Geschichte des Dorfes Saumlos, die er im Laufe des Sommers 1973 kennen lernt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Ort Saumlos eine jüdische Mehrheit, 1938 war Saumlos, wie alle deutschen Dörfer und Kleinstädte, "judenfrei". Mit allen Mitteln hatten der Pfarrer, der Lehrer und ein paar Hitlerjungen sie vertrieben und die guten Leute von Saumlos hatten keinen Finger gerührt für ihre jüdischen Nachbarn. Der Ort steht für das ganze Deutschland, und so erklärt sich die Frage, ob und wie man in einer Gesellschaft mit einer derartigen Vergangenheit überhaupt leben kann.
Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Maik Söhler von diesem "typischen Siebzigerjahre-Roman" von Peter O. Chotjewitz. Wie er berichtet, machte sich der Autor mit seinem erstmals 1979 erschienenen Roman über einen Mann, der in sein Heimatdorf "Saumlos" zurückkehrt und bei den Dörflern Fragen nach der Judenverfolgung stellt, schon damals "recht unbeliebt". Vor allem auf dem hessischen Land, wo er jahrelang lebte. Schließlich sei das Buch eine "luzide Materialsammlung über den Antisemitismus in Hessen". Söhler erachtet den Roman als "problematisch". Die Probleme seien allerdings nicht dem Inhalt geschuldet. Sondern: "Das umfangreiche Material lässt sich einfach nicht in die Romanstruktur integrieren." Chotjewitz Lösungsversuch, seinen Protagonisten selbstironisch über sein Hobbydozentendasein nachsinnen zu lassen, erscheint Söhler ebenso wenig gelungen wie die Idee, auch noch einen Kriminalfall in die Geschichte zu integrieren. Alles in allem ein Buch mit den "typischen Siebzigerjahre-Distanz-und-Nähe-Marotten eines linken Schriftstellers".
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