Klappentext
Die brutale Niederschlagung des Bauernkriegs war der Anfang einer langen Geschichte rücksichtsloser Gewalt der deutschen Obrigkeiten: von den autoritären Feudalstaaten der frühen Neuzeit über Preußen bis in die NS-Diktatur. 1525 begann Deutschlands Weg in die Untertanengesellschaft, woran auch Martin Luther seinen Anteil hatte. Die entfesselte Gewalt deutscher Herren gegen ihre Untertanen und gegen frühe Forderungen demokratischer Teilhabe legte den Keim für eine Tradition der Unfreiheit und Unterdrückung. Der Volksaufstand im Jahr 1525 wollte einer gerechteren und freieren Gesellschaft den Weg bereiten. In "Zwölf Artikeln" formulierten Angehörige der unteren Schichten, was sie von ihrer Herrschaft erwarteten. Die Antwort war blutig. Massaker, Straf- und Rachefeldzüge des Adels beendeten jede Hoffnung auf Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse und löschten die Aufständischen und ihre Familien regelrecht aus. Peter Seibert, Literaturhistoriker und Medienwissenschaftler, rückt erstmals auch die Rolle der Frauen in diesem Krieg in den Fokus und schildert das bedrückende Ausmaß der ersten Erfahrung von Flucht und Exil in der frühen deutschen Neuzeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2025
Der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner freut sich über eine gelungene Ergänzung der Bücherflut zum Bauernkrieg mit Peter Seiberts Arbeit. Seibert identifiziert sich mit den Aufständischen und schaut materialreich auf deren Niederschlagung Sommer 1525, erklärt Groebner. Moralisch wird er dabei auch und erinnert Groebner daran, dass die Identifikation mit den Aufständischen bereits in den 1970ern en vogue war und dass die Ereignisse möglicherweise widersprüchlicher und komplexer waren, als der Autor es wahrhaben möchte. Es ging schließlich auch um wirtschaftliche Gründe, und was mit Freiheit eigentlich gemeint war, darüber lässt sich streiten, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2025
Ein eindrückliches, wenn auch möglicherweise nicht ganz vollständiges Bild der unmittelbaren Folgen des Bauernkriegs 1525 zeichnet Peter Seibert in diesem Buch laut Stefan Reinecke. Seibert skizziert, so Reinecke, die Racheaktionen von Söldnern und Obrigkeiten an den Aufständischen, regelrechte Massaker wurden angerichtet, die teils in ihrer Brutalität weit über zeitgenössische Kriegspraktiken hinaus gingen. Auch wurde vielerorts das Leben der Bauern fortan strenger reglementiert, die Kirchweih oder auch Tanzveranstaltungen wurden verboten, außerdem wurden die Toten unter den Bauern offiziell nicht betrauert, ganz im Gegensatz zu den Gefallenen der Gegenseite. Reinecke weist darauf hin, dass Seibert nicht Historiker, sondern Literaturwissenschaftler ist und dass er einige Dinge, die zu einem Gesamtbild dazu gehören, nicht erwähnt, vor allem nicht die Kompromisse, die mancherorts nach dem Krieg auch zum Vorteil der Bauern geschlossen wurden, weil die Mächtigen neuen Aufruhr befürchteten. Womöglich, vermutet Reinecke, war der Bauernkrieg nicht nur, wie Seibert es darstellt, der Ursprung eines deutschen Autoritarismus, sondern legte auch den Grundstein für spätere demokratische Bewegungen. Insofern hat Seiberts Darstellung Lücken, schließt der Rezensent, für lesenswert hält er sie freilich allemal.