Der Kampf um politische Meinungen wird in Deutschland oft mit historischen Argumenten geführt. Geschichtsbilder beeinflussen unser Denken und Handeln. Aber wer besitzt eigentlich die Deutungshoheit über die deutsche Geschichte? Wie erlangt und benutzt er sie? Darüber muss öffentlich diskutiert werden. Der auf die Geschichte des Widerstands spezialisierte Zeithistoriker Peter Steinbach untersucht emotionalisierende öffentliche Debatten der letzten Jahrzehnte. Politische Reden konnten zum Ereignis werden oder Karrieren beenden. Gedenken wurde inszeniert. Ausstellungen, Museen und Filme boten Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen in der Presse. Der Streit bedurfte der Medien, er beeinflusste unser Weltbild und Weltverständnis. Geschichte wurde dabei schließlich selbst zum Politikum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2012
Hermann Theissen bespricht zwei Bücher, die sich mit der deutschen Erinnerungskultur befassen: Peter Steinbachs "Geschichte im politischen Kampf" und "Das Menschenmögliche" von Dana Giesecke und Harald Welzer. Steinbach beschäftige sich in seinem Buch mit der Rolle, die Geschichte in der politischen Rhetorik spielt, berichtet der Rezensent. Der Autor komme zu dem Schluss, dass sie in Argumentationen nur selten der Wahrheitsfindung dient und häufiger auf Emotionen und Legitimation zielt. Besonders spannend findet Theissen Steinbachs Kapitel zu den achtziger Jahren und Helmut Kohl: der Autor bezeichne Kohls Geschichtspolitik als "Höhepunkt und Scheitern gouvernementaler Geschichtspolitik", anschaulich gemacht am Versuch der symbolischen Versöhnung auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg.
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