Sie war ein Landkind und das "modernste Mädchen" der Vorkriegszeit; sie machte Karriere unter den Nazis und war doch gegen sie; sie galt als unabhängig und diszipliniert mit preußischem Mutterwitz und erfüllte die tragischen, zerrissenen Frauenfiguren des Theaters mit Leben: Marianne Hoppe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.09.2001
Als ideale Biografie lässt Rezensent Thorsten Jantschek ohnehin nur Wolfgang Hildesheimers Marbot-Buch gelten - und die sei frei erfunden. Petra Kohse schlägt sich in Jantscheks Augen immerhin ganz wacker. Zunächst einmal erliegt sie nicht, wie er lobend bemerkt, der Versuchung der Identifikation mit Hoppe und Glättung der Widersprüche in deren ohne Zweifel interessanten Leben. Allerdings versucht Kohse "etwas zaghaft", so Jantschek, fiktionale Fallen, die beim Schreiben jeder Biografie entstünden, durch absicherndes Faktenwissen zu umgehen. Mit dem etwas zweifelhaften Erfolg, meint Jantschek, dass sich die Leser von der Materialflut stellenweise erdrückt fühlen und nicht richtig in den Lesegenuss dieser zwar ordentlich recherchierten, aber übergründlich wirkenden Biografie kommen. Nebenbei sei jedoch eine bemerkenswerte Film- und Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts entstanden, lobt der Rezensent, wobei das Kapitel über Hoppes erfolgreiche Karriere unter den Nazis natürlich besonders interessiert und ihm durchaus gelungen erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2001
Fritz Göttler bespricht zwei Biografien Rücken an Rücken: eine zu Marianne Hoppe, eine zu Ferdinand Marian. 1) Petra Kohse: "Marianne Hoppe" Über das Buch selbst hat Göttler wenig zu sagen, mehr, aber auch nicht viel, über das Leben der Biografierten, vor allem ihre Leinwand-Persona: "Was für eine strenge Schönheit, ohne jede Spur Jugendlichkeit". Über das Buch nur das: es besteht aus "streng konturierten Bruchstücken", die Haltung der Verfasserin liegt zwischen "Sympathie und Distanz". 2) Friedrich Knilli: "Ich war Jud Süß" Die Rolle, die ihn berühmt macht - der Jud Süß in Veit Harlans Propagandafilm -, hat zugleich seine Nachkriegskarriere verunmöglicht. Ferdinand Marian starb dann schon 1946. Erzählt wird das Leben hier "in großem Bogen", man erfährt vom Unwillen des Darstellers, die Rolle des Juden Oppenheimer zu übernehmen. Knilli berichtet offensichtlich sehr solidarisch, "leidet mit", hatte, so berichtet Göttler, gegen Widerstände bei der Recherche zu kämpfen.
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