Petra Terhoeven erklärt auf der Höhe der aktuellen Forschung, wie und warum aus den Stadtguerilla-Experimenten einer kleinen Minderheit radikalisierter '68er' eine terroristische Gruppe hervorging. Die RAF löste nicht nur eine tiefgreifende Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte aus, sondern konnte lange über ihr politisches Scheitern hinaus eine morbide Faszination entfalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2018
Für einen sachlichen, differenzierten Blick auf die RAF empfiehlt Rezensent Christopher Dowe den Essay der Kultur- und Zeithistorikerin Petra Terhoeven. Einen wissenschaftlichen Apparat vermisst der Rezensent nicht, die souveräne Auswertung und prägnante Darstellung des Forschungsstands sowie die systematische Einordnung der Vorgeschichte und Entwicklung der RAF überzeugen ihn voll und ganz. Wie die Autorin die Entwicklungsdynamiken der RAF-Geschichte aufzeigt und dabei Fehlurteile widerlegt, findet er bemerkenswert. Stärke des Buches ist für ihn der synchrone Vergleich der hiesigen Situation mit Italien und Frankreich. Sichtbar wird für Dowe die Bedeutung der Selbststilisierung der RAF als Opfer faschistoider Staatsgewalt. Ein Text, der die Historisierung der RAF weiter vorantreibt, meint der Rezensent.
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