Ein deutscher Platz
Die Ballade vom Stutti

dtv, München 2025
ISBN
9783423285032
Gebunden, 256 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Deutsche Geschichte an einem Platz. Am Stuttgarter Platz in West-Berlin spielt sich die ganze deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ab: Babylon Berlin, Schwarzmarkt und Fluchtort für die Verlorenen des Krieges, Rotlichtviertel, Keimzelle der Studentenbewegung, in den 80er-Jahren auch Underground. Michael Angele geht den Geschichten und den schillernden Figuren des Stutti nach und erzählt vom Babalu und den Dreharbeiten der 'Halbstarken' mit Karin Baal und Horst Buchholz. Den "Elefant" führte lange der KZ-Überlebende Leo Fischmann und Rainer Langhans zieht in eine große Altbauwohnung ein. An diesem Platz kommen die großen politischen und kulturellen Strömungen Deutschlands zusammen.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2026
Der Stuttgarter Platz in Charlottenburg hat ein schmuddeliges Image, findet Rezensentin Sonja Asal, der Literaturwissenschaftler und Redakteur Michael Angele hat sich jetzt daran gemacht, die Geschichte dieses Platzes zu rekonstruieren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier noch bürgerliche Häuser gebaut, mit der Bürgerlichkeit war es dann aber spätestens nach 1945 vorbei: Von Prostitution, Schwarzmarkt und wilden Bars liest Asal. Einige der Barbetreiber waren Juden, die das KZ überlebt hatten, ihre Geschichte wird von Angele nun zum ersten Mal erzählt, lobt die Kritikerin. Generell ist für sie spannend, wie viele unbekannte Geschichten um den Platz der Autor entdeckt hat: Auch die Kommune 1 hat hier mal Quartier bezogen, schon 1947 gab es ein erstes chinesisches Restaurant, dazu kommen Bandenkriminalität und Schießereien - insgesamt ein Ort des "grundsätzlich Transitorischen", den Asal dank Angele nun mit anderen Augen sehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.10.2025
Rezensent Thomas Groß empfiehlt dieses Stück Zeitgeschichte wärmstens weiter. Der Roman des Schweizer Journalisten Michael Angele, hauptberuflich Redakteur beim Freitag, sprüht vor Lebendigkeit. Er rekonstruiert eine Zeit, in der der Stuttgarter Platz am Berliner S-Bahnhof Charlottenburg als "gefährlicher Ort" galt: Glücksspiel, Rotlichtmilieu in den frühen 1970er Jahren und Gewalt. Der Stuttgarter Platz erscheint als transitorischer Ort, an dem sich die Wege unterschiedlichster Menschen kreuzten, sogar eine Enklave jüdischen Lebens - viele Barbesitzer waren Holocaust-Überlebende. Durch Anekdoten wie die nächtlichen Eskapaden des SPD-Abgeordneten Kurt Gscheidle oder die Geschichte der Kommunardin Dorothea Ridder werden die vielfältigen Milieus lebendig. Darüber hinaus liefere Angele einen nostalgischen Nachruf auf das alte Charlottenburg, heute bestbürgerlich und zugleich Schmelzpunkt von Globalisierung und Gentrifizierung, und vermittele dem Leser auf romantische Weise die einstige Atmosphäre des "Stutti".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2025
Niemand mag den Stuttgarter Platz, oder Stutti, wie die Berliner ihn nennen, behauptet Rezensent Thomas E. Schmidt. Er liegt nahe dem S-Bahnhof Charlottenburg, ist von schönen alten Wohnhäusern umringt, selbst aber ziemlich abgewrackt. Seine Bars sind bevölkert von Kleinkriminellen, Sexarbeitern, Junkies, Dealern und Obdachlosen. Dass Michael Angele den Stutti jetzt als "Kreuzungspunkt metropolitaner Energielinien" beschreibt, die - berlintypisch - nicht viel miteinander zu tun haben, scheint ihm zu gefallen. Kann so weitergehen, denkt er sich.