Philipp Winkler

Carnival

Roman
Cover: Carnival
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351038281
Gebunden, 119 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

In seinem Debütroman "Hool" hat Philipp Winkler Menschen eine Sprache gegeben, die keine haben: Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Nun spinnt Winkler diese Idee fort. Sein Erzähler beschwört einen Reigen der Träumer und Traurigen, der Unerschütterlichen und Unverstandenen herauf: das Personal eines über das Land ziehenden Wanderjahrmarkts. Er lässt sie hoffen und verzweifeln, schimpfen und fabulieren, lästern und schwärmen. In einer ganz eigenen, nie gehörten, singenden Sprache eröffnet uns Philipp Winkler einen Einblick in ein Universum, das - ganz wie unsere süßesten Träume von früher - aus Riesenrädern, Zuckerwatte und ein bisschen dreckigem Feenstaub besteht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.2020

Rezensent Thomas Schaefer kann "Blut, Schweiß und Tränen" riechen im neuen Roman von Philipp Winkler, der den Kritiker nach "Hool" erneut in ein Milieu am Rande der Gesellschaft entführt. In Form eines "poetischen Pamphletes" erzählt ihm Winkler vom Untergang der Jahrmarktkultur, hat dabei allerdings vor allem die Verachtung der Kirmesleute für das satte, vergnügungssüchtige Bürgertum im Blick. Darüber hinaus lebt der Roman durch Winklers Interesse für die Sprache der Kirmesleute, verspricht der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2020

Rezensent Oliver Jungen nimmt Philipp Winklers Abgesang auf die Kirmes genau in den Blick. Der Leipziger Autor mit Abschluss in Hildesheim, der sich 2016 mit seinem Roman "Hool" als sprachlicher Hardrocker neben Clemens Meyer positionierte, erscheint dem Kritiker hier weicher, romantischer - was auch am "märchenhaften" Sujet liegen mag, wie Jungen hinzufügt. Winklers Diagnose, dem Niedergang der Jahrmarktkultur, kann der Rezensent nur bedingt zustimmen: Natürlich liegen die Volksfeste coronabedingt lahm, aber das hat in den Augen des Kritikers nichts mit der "Glotze" oder "dem Internet" zu tun, wie Winkler kulturpessimistisch behaupte. Die Figuren des aus Schausteller-Perspektive geschriebenen Textes erscheinen ihm vorhersehbar, einige Passagen zu soziologisch, moralisch, nahezu essayistisch. Winklers Sprache aber haut ihn einmal mehr um: Das Idiom jener Parallelgesellschaft fängt der Autor grandios ein, meint Jungen, der hier lernt "Steife Johnnys zur Weißglut zu bringen" oder Bezeichnungen wie "aufbuckeln" oder "Tunktankclowns" (hüstel). Winklers Sätze "knallen wie Peitschenhiebe", schließt er.
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