Getrennte Räume
Roman

Gutkind Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783989410343
Gebunden, 240 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Thomas, ein junger Musiker aus München, liegt Ende der 1980er-Jahre im Sterben. Sein Freund, der wenige Jahre ältere, renommierte italienische Autor Leo erträgt den langsamen Tod nicht. Stattdessen flüchtet er sich auf Reisen durch Europa und die USA. Zwischen Paris, Duisburg, New York, Berlin, Rom und Mailand überlappen Gegenwart und Vergangenheit, das Leben mit Thomas und die Unmöglichkeit des Weiterlebens ohne ihn. Leos Erinnerungen an ihre Liebe werden immer lebendiger, obwohl er sich nichts als Vergessen wünscht. Um die Leidenschaft aufrechtzuerhalten, hatte Leo sich und Thomas das Zusammenleben verwehrt. Ihre Beziehung ein ewiges Ringen um Nähe und Distanz, in getrennten Räumen, verschiedenen Städten. Wie kann man die Erinnerung an ein geteiltes Leben aufrechterhalten, wie weiterleben?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.11.2025
Leo und Thomas, die Protagonisten von Pier Vittorio Tondellis Roman, lernen sich bei einem Konzert kennen und verlieben sich auf der Stelle ineinander, erklärt Rezensentin Annabelle Hirsch die Prämisse dieses nun endlich auf Deutsch verfügbaren Klassikers. Die beiden streiten sich um die Art, wie sie ihre Beziehung führen wollen, zwischen Freiraum und Zusammenleben, bis Thomas plötzlich an Aids stirbt, schildert Hirsch. In kreisender, nachdenklicher Weise erzählt Tondelli hier von der Liebe und vom Sterben, ein Buch, das zu recht zum Klassiker geworden ist, findet die Kritikerin, der Autor selbst ist nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung selbst an Aids gestorben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.09.2025
Rezensentin Anna Vollmer ist hingerissen von Pier Vittorio Tondellis Roman aus den 80er Jahren, der nach deutscher Ersterscheinung 1993 nun in Neuauflage vorliegt - zum Glück, schwärmt Vollmer: denn die Geschichte um einen italienischen Schriftsteller (Leo) und einen deutschen Musikstudenten (Thomas) ist nicht nur eine Liebesgeschichte, die sie mit ihrer Sinnlichkeit in den Bann zieht, sondern kann noch viel mehr: es geht um soziale Herkunft und das Reisen, um die Schwulenszene, der Leo sich nicht ganz zugehörig fühlt, um den Umgang mit der Trauer um eine Beziehung - Thomas stirbt eines Tages an Aids -, die offiziell nicht existierte. Dass genau hier, beim Thema Trauer, dann doch die vermeintlich unwichtige Frage ins Spiel kommt, wie sich eine schwule von einer heterosexuellen Beziehung unterscheidet, findet die Kritikerin spannend. Am "schönsten und traurigsten" scheinen ihr außerdem die Passagen, in denen es um Leos - und vielleicht auch eine grundmenschliche - Einsamkeit geht; um das Austarieren von Nähe und Getrenntheit vom anderen. Aber auch der Rest der Welt wird alles andere als ausgeklammert, der Roman entführt in sämtliche Länder, soziale Räume und gesellschaftliche Schichten, staunt Vollmer. Ein toller und reicher Roman, dem die Kritikerin nur ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht hätte.