Pierre Drai

Das Erstaunen

Eine Überlebensgeschichte
Cover: Das Erstaunen
Andre Thiele Verlag, Mainz 2012
ISBN 9783940884695
Broschiert, 213 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Monika Ries. Mit einem Vorwort von Serge Klarsfeld. Juli 1943, Boulevard Ney in Paris. Rosine Draï wird mit ihren drei ältesten Kindern bei einer Razzia auf Juden mitgenommen und später in Auschwitz ermordet. Pierre Draï, seine Schwester Nelly und sein Bruder Paul überleben. Aber welche Konsequenzen hat die Rettung für die Kinder? Was geschieht mit den Waisen der Shoah? Pierre, der seit seinem dritten Lebensjahr auf die Rückkehr seiner Eltern wartet, ist im Jahr 1952 ein gestörtes und widerborstiges Kind. Als Mensch "mit einer Kindheit ohne Familie, ohne Persönlichkeit, ohne Liebe" gelingt es ihm, auf einem langen Weg durch Institutionen und Herausforderungen er selbst zu werden: beruflich, innerlich, geistig, politisch und religiös - zwischen seinem Engagement für den Kommunismus und der Bewusstwerdung seines Judentums. Am Ende dieses nüchtern und ehrlich nachgezeichneten Lebensberichts steht das Erstaunen, davongekommen zu sein - sowohl dem Schicksal von Auschwitz als auch den Folgen des Verlassenseins entronnen zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2013

Irene Bazinger hat die Lebensgeschichte von Pierre Draï in "Das Erstaunen" sehr ergriffen. Draï ist ein Waisenkind des Holocaust, beide Eltern und drei Geschwister hat er in Auschwitz verloren. Er selbst überlebte als Kleinkind dank der französischen Familie Funé, die außer ihm noch andere rettete, erfährt die Rezensentin. Die bestimmende Frage des Buches ist eine, die schon unter normaleren Umständen schwer zu beantworten ist: Wer bin ich? Bazinger gefällt, wie wenig Draïs Erinnerungen verbittert sind. Er beschreibe keine schillernde oder spektakuläre Existenz, sondert schildere schlicht, offen und "ohne Aufgeregtheit" seine Suche nach Normalität. Besonders lobt sie Draïs Mut, Lücken in seinen Recherchen eigenmächtig zu schließen - wo es an Zeitzeugen fehlt, gebraucht er seine Fantasie, berichtet Bazinger.

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