Aus dem Französischen von Eugen Helmlé. Als Mitglied einer Widerstandsgruppe von der Gestapo im Juni 1944 in Paris gefangen genommen, wurde Robert Antelme nach Fresnes, in das Arbeitslager Gandersheim und schließlich in einem jener Güterzüge, in denen die Gefangenen kurz vor Kriegsende wochenlang und unter schrecklichen Qualen durch Deutschland transportiert wurden, in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Nach der Befreiung durch die Mithilfe François Mitterrands - Mitglied der gleichen Widerstandszelle wie Antelme und mittlerweile zuständig für Kriegsgefangene im Kabinett de Gaulles - nach Paris gebracht, überlebte er nach einem viele Monate dauernden, leidvollen Prozess körperlicher Rekonvaleszenz.
Sein Bericht "Das Menschengeschlecht" gehört zu den bedeutendsten, unmittelbar nach dem Krieg verfassten Zeugnissen. Antelme beschreibt darin die von den Nationalsozialisten systematisch herbeigeführte Vernichtung durch Zwangsarbeit und Aushungern, die auf eine vollständige Entmenschlichung zielende Lagerordnung, die geschürte gegenseitige Erniedrigung der Gefangenen, aber auch deren Solidarität. Antelmes Buch genießt nicht zuletzt wegen seiner außergewöhnlichen literarischen Qualität eine ähnliche Popularität wie die Bücher Primo Levis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2017
Gehört in jede deutsche Bibliothek, meint Rezensent Andreas Platthaus angesichts der Neuherausgabe von Robert Antelmes Buch zu dessen 100. Geburtstag. Glücklich ist der Rezensent über diese verlegerische Tat aus mehreren Gründen: Die scharfsichtige und -züngige Beschreibungsintensität und Kommentierung und die kühle Reflexion des Autors bei der Dokumentation seiner Erfahrungen im KZ machen ihm dieses Zeugnis für die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu einem einzigartigen Dokument, vergleichbar nur noch Primo Levis Erinnerungen. Unvergesslich scheint Platthaus jede Seite nicht zuletzt als Beweis für den Triumph der Menschlichkeit, der Würde als Widerstand und dem Bekenntnis des Autors zu moralischer Integrität.
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